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Radebeul
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Radebeul ist eine Große Kreisstadt im Freistaat Sachsen. Sie ist die einwohnerstĂ€rkste und die am dichtesten besiedelte Stadt im Landkreis Meißen und gehört neben Pirna, Freital und Meißen zu den grĂ¶ĂŸten Mittelzentren des Ballungsraums Dresden. Mit rund 34.000 Einwohnern auf 26 Quadratkilometern FlĂ€che weist Radebeul die viertgrĂ¶ĂŸte Bevölkerungsdichte aller sĂ€chsischen Gemeinden auf, nach Leipzig, Dresden und Heidenau sowie vor Chemnitz.

Die Wein-, Villen- und Gartenstadt mit ihren acht historischen Dorfkernen und zwei Villenvierteln liegt entlang der alten Postchaussee zwischen der ehemaligen Residenzstadt Dresden und dem ehemaligen Bischofssitz in Meißen sowie zwischen der Elbe im SĂŒden und den WeinhĂ€ngen im Norden. Diese bilden die Weinbau-Großlage LĂ¶ĂŸnitz in der gleichnamigen Landschaft.

Radebeul wird wegen seiner reizvollen Lage auch SĂ€chsisches Nizza genannt, zurĂŒckgehend auf einen Ausspruch des sĂ€chsischen Königs Johann um 1860.cite-ref-stadtlexikon146-2-0[2] Das heutige Radebeuler Gebiet, die Landschaft LĂ¶ĂŸnitz, die im Nordwesten Dresdens direkt an die sĂ€chsische Landeshauptstadt angrenzt, war nicht nur in den vergangenen Jahrhunderten, sondern ist auch heute eine der beliebtesten Wohngegenden der Dresdner Region.

Contents

‱ Geografie
‱ Geologie
‱ Klima
‱ Geschichte
‱ Religion
‱ Politik
‱ Haushalt
‱ Stadtrat
‱ Wappen
‱ Weinanbau
‱ Denkmale
‱ Musik
‱ Museen
‱ Sport
‱ Verkehr
‱ Erfindungen
‱ Medien
‱ Bildung
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geografie

Geografische Lage

Radebeul liegt flussabwĂ€rts von Dresden in der LĂ¶ĂŸnitz, einer Landschaft auf dem rechten Ufer des Elbtalkessels. Die Elbe bildet die sĂŒdwestliche Grenze von Radebeul zur Dresdner Ortschaft Cossebaude. Radebeul ist ein Mittelzentrum im Verdichtungsraum am sĂŒdöstlichen Rand des Landkreises Meißen und grenzt dort an die sĂ€chsische Landeshauptstadt Dresden, welche das Oberzentrum bildet. Im Nordosten und Norden wird Radebeul von Moritzburg begrenzt und im Westen und Nordwesten von der Stadt Coswig. Weiter flussabwĂ€rts folgt nach Coswig die Kreisstadt Meißen.

Radebeul liegt im Ballungsraum Oberes Elbtal und ist nach Pirna und Freital die viertgrĂ¶ĂŸte Stadt der Region Dresden.

Geologie

Die grĂ¶ĂŸtenteils im Elbtalkessel liegende Stadt gliedert sich in die Elbaue, die Nieder- und Mittelterrasse sowie den Steilanstieg des Elbhangs, einem Teil der Lausitzer Verwerfung und die HochflĂ€che, die zur Lausitzer Platte gehört. Der tiefste Punkt in der Elbaue liegt bei 101 m ĂŒ. NN und der höchste auf der Wahnsdorfer Kuppe bei 246 m ĂŒ. NN. Dort steht ein Triangulationspfeiler der sĂ€chsischen Landvermessung im 19. Jahrhundert.

Das Stadtgebiet wird durch mehrere KerbtĂ€ler zerschnitten, von denen der LĂ¶ĂŸnitzgrund mit dem LĂ¶ĂŸnitzbach dauerhaft Wasser fĂŒhrt. Die anderen TĂ€ler, der Leimgrund, der Fiedlergrund, der Kroatengrund und der Rietzschkegrund werden durch sogenanntes Verlorenes Wasser gebildet, das nach Erreichen des wasserdurchlĂ€ssigen Sandbodens der Elbterrassen versickert und wieder ins Grundwasser ĂŒbergeht.

In Radebeul gibt es die ehemaligen SteinbrĂŒche LĂ¶ĂŸnitzgrund; Ravensberg (NĂ€he Kinderheim OberlĂ¶ĂŸnitz), Steinbruch am Himmelsbusch, Steinbruch im Rieselgrund.

Klima

Aufgrund der klimatischen Bedingungen am Nordhang des Elbtals ist in Radebeul Edelobst- und Weinanbau möglich. Die jĂ€hrliche Durchschnittstemperatur liegt bei 9,2 °C. Da Radebeul im Elbtal nach dem Dresdner Stadtzentrum (10,4 °C) das mildeste Klima von Sachsen hat, wird es auch SĂ€chsisches Nizza genannt, zurĂŒckgehend auf einen Ausspruch des sĂ€chsischen Königs Johann um 1860.cite-ref-stadtlexikon146-2-1[2]

Klimatisch abgegrenzt von der Lage im Elbtal ist das Stadtgebiet auf der Hochebene, auf der sich Wahnsdorf mit der Wetterstation befindet. Das Klimadiagramm der ehemaligen Wetterwarte Wahnsdorf auf der 246 m hohen Wahnsdorfer Kuppe zeigt die dort herrschenden Durchschnittstemperaturen und NiederschlĂ€ge der Periode 1961–1990. Die wĂ€rmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 18,1 beziehungsweise 17,8 °C und die kĂ€ltesten Januar und Februar mit −1,2 beziehungsweise −0,7 °C im Mittel. Der mittlere Jahresniederschlag liegt mit 648 Millimetern etwas unter dem bundesdeutschen Schnitt von 800 Millimetern. Der meiste Niederschlag fĂ€llt im Juli mit durchschnittlich 109 Millimetern, der geringste im Februar mit durchschnittlich 36 Millimetern. Das Temperatur-Jahresmittel liegt mit 8,6 °C unter dem im Elbtal. Die durchschnittliche jĂ€hrliche Sonnenscheindauer liegt mit 1634 Stunden etwas ĂŒber dem bundesdeutschen Schnitt von 1541 Stunden, am lĂ€ngsten scheint die Sonne im Mittel im Juli mit 217 Stunden und am wenigsten im Dezember mit 51 Stunden.cite-ref-3[3]

Ausdehnung des Stadtgebiets

Radebeul ist knapp vier Kilometer breit, sieben Kilometer lang und bedeckt eine FlĂ€che von 2609 Hektar (26,089 kmÂČ [Stand: 2021], Bevölkerungsdichte: rund 1300 Einwohner je kmÂČ). Davon sind WohnbauflĂ€che 672 Hektar, Gewerbe- und IndustrieflĂ€chen ergeben zusammen 142 Hektar, Verkehrs- und BahnflĂ€chen ergeben zusammen 274 Hektar, LandwirtschaftsflĂ€chen machen 918 Hektar aus. Sport-, Freizeit- und ErholungsflĂ€chen, GrĂŒnanlagen, Wald/Gehölz, Friedhöfe und WasserflĂ€chen machen zusammen 538 Hektar aus und bilden die grĂŒne Lunge von Radebeul.cite-ref-4[4] Ein gutes FĂŒnftel der StadtflĂ€che, 586 Hektar, bilden das Landschaftsschutzgebiet LĂ¶ĂŸnitz, hinzu kommen die auf Radebeuler Flur an der Elbe gelegenen FlĂ€chen des Landschaftsschutzgebiets Elbtal zwischen Dresden und Meißen mit linkselbischen TĂ€lern und Spaargebirge. Teile des Landschaftsschutzgebiets bilden wiederum das 115 Hektar große Fauna-Flora-Habitat-Gebiet LĂ¶ĂŸnitzgrund und LĂ¶ĂŸnitzhĂ€nge. Etwa 85 Hektar sind RebflĂ€chen, von denen wiederum 30 Hektar Steillagen von ĂŒber 30 % bis ĂŒber 100 % (max. 47 Grad) sind.cite-ref-denkmaltopo-5-0[5]

Die in untenstehender Tabelle aufgefĂŒhrten GemarkungsgrĂ¶ĂŸen aus dem Jahr 1900 ergeben fĂŒr die LĂ¶ĂŸnitzortschaften zusammen eine FlĂ€che von 2.502 Hektar bei einer addierten Einwohnerschaft von 26.220 Einwohnern (Bevölkerungsdichte: 1048 Einwohner je kmÂČ). Im Jahr 1939 lag die Radebeuler StadtflĂ€che bei 2.564 Hektar mit 37.856 Einwohnern (Bevölkerungsdichte: 1476 Einwohner je kmÂČ).cite-ref-6[6]

Stadtgliederung

Siehe auch

:

Liste der Stadtteile und Gemarkungen von Radebeul

Die heutige Meißner Straße als planmĂ€ĂŸig angelegte Verbindungsstraße (Postchaussee) zwischen Dresden und Meißen verlĂ€uft oberhalb der möglichen Überflutungsbereiche entlang der Elbe. Sie teilt ebenso wie die knapp unterhalb davon liegende Bahnlinie das heutige Radebeuler Stadtgebiet beziehungsweise die Region der ehemaligen Ursprungsgemeinden in den Bereich unterhalb und oberhalb der Straße. Die unterhalb oder auch in der Elbaue niedriger gelegenen Gebiete waren eher landwirtschaftlich genutzt und wurden spĂ€ter auch zur Ansiedlung von Industrie verwendet. Die oberhalb oder auch auf den Elbterrassen höher gelegenen Gebiete einschließlich der Steillagen des Elbhangs waren eher zum Weinanbau genutzt und wurden vor allem nach der Reblauskatastrophe zur Bevölkerungsansiedlung verwendet.

Radebeul besteht aus den beiden an der Meißner Straße als Achse liegenden Stadtzentren Radebeul-Ost (Stadt Radebeul vor 1935 mit Alt-Radebeul (unterhalb und oberhalb der Meißner Straße)) und Radebeul-West (Stadt Kötzschenbroda vor 1935 (unterhalb), Kötzschenbroda Oberort: oberhalb auf der Hochebene) sowie aus folgenden weiteren Stadtteilen: Serkowitz (zu Radebeul, unterhalb), OberlĂ¶ĂŸnitz (zu Radebeul, oberhalb), Wahnsdorf (zu Radebeul, oberhalb auf der Hochebene), FĂŒrstenhain (zu Kötzschenbroda, unterhalb), Naundorf (zu Kötzschenbroda, Dorfkern unterhalb, WeinbauflĂ€chen oberhalb), Zitzschewig (zu Kötzschenbroda, oberhalb), NiederlĂ¶ĂŸnitz (zu Kötzschenbroda, oberhalb), Lindenau (zu Kötzschenbroda, oberhalb auf der Hochebene).

Nach der Wiedervereinigung entstand in Radebeule ein ausgeprĂ€gtes wirtschaftliches GefĂ€lle zwischen der ursprĂŒnglichen Bevölkerung sĂŒdlich der Meißner Straße und der wohlhabenden zugezogenen Bevölkerung, die in den Villen der nördlich der Meißner Straße liegenden WeinhĂ€ngen lebt. Eine höhere Hanglage entspricht dabei höheren Immobilienpreisen.cite-ref-7[7]

Radebeuler Ursprungsgemeinden im Detail

| Name | ErsterwĂ€hnung oder GrĂŒndung | Einwohner 1900 | FlĂ€che 1900 (ha) | Vereinigt mit Kötzschenbroda | Vereinigt mit Radebeul | Stadtteil in Radebeul-
 | Siedlungsform [ 5 ] |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Alt-Radebeul | 1349 | 6.583 | 242 | | | Ost | Rundling |
| Serkowitz | 1315 | 2.858 | 183 | | 1905 | Ost | Angerdorf |
| OberlĂ¶ĂŸnitz | 1839 | 1.652 | 146 | | 1934 | Ost | Villenkolonie |
| Wahnsdorf | 1350 | 718 | 238 | | 1934 | Ost | Straßenangerdorf |
| Kötzschenbroda | 1226 | 6.089 mit FĂŒrstenhain | 664 mit FĂŒrstenhain | | 1935 | West | Straßenangerdorf |
| FĂŒrstenhain | 1553 | in Kötzschenbroda enthalten (285 am 2. Februar 1876) | in Kötzschenbroda enthalten | 1876 | 1935 | West | Straßendorf |
| Lindenau | 1287 | 688 | 33 | 1920 | 1935 | West | Straßendorf |
| Naundorf | 1144 | 1.866 | 428 | 1923 | 1935 | West | Straßenangerdorf |
| NiederlĂ¶ĂŸnitz | 1839 | 4.338 | 259 | 1923 | 1935 | West | Villenkolonie |
| Zitzschewig | 1366 | 1.428 | 309 | 1923 | 1935 | West | Rundling |

Geschichte

Siehe auch

:

Geschichte des Weinbaus in der LĂ¶ĂŸnitz

Radebeul bis zur Stadtwerdung

Die LĂ¶ĂŸnitz wurde archĂ€ologischen Funden nach erst spĂ€t besiedelt. Aus der Periode der Schnurkeramiker (spĂ€te Jungsteinzeit, um 2200 v. Chr. – 2000 v. Chr.) gibt es erste Siedlungsspuren auf Radebeuler und NiederlĂ¶ĂŸnitzer Gebiet. In Serkowitz wurde ein BrandgrĂ€berfeld aus der FrĂŒhbronzezeit (2000 v. Chr. – 1600 v. Chr.) gefunden.

Ebenfalls auf Serkowitzer Gebiet wie auch in Weinböhla und Coswig finden sich Urnenfelder der Mittleren Bronzezeit (Lausitzer Kultur, 1600 v. Chr. – 1300 v. Chr.), und aus der SpĂ€tbronzezeit (1300 v. Chr. – 800 v. Chr.) finden sich in Kötzschenbroda und Naundorf archĂ€ologische Reste. Weitere Funde aus dieser Zeit weisen auf eine recht dichte Besiedlung unterhalb der Heidesandterrassen auf den hochwasserfreien Kuppen hin.

Aus der Völkerwanderungszeit sind Funde germanischer Besiedlung selten; in der NĂ€he des Bahnhofs Radebeul-Weintraube wurden 1998 im Zuge einer Baustelle Reste von germanischen Rennfeueröfen gefunden, die vermutlich „nicht in völliger Wildnis“cite-ref-8[8] lagen. Um das Jahr 600 kamen westslawische Sorben in die Region. Von einer relativ dichten slawischen Besiedlung zeugen weitere Fundorte, von denen das 1925 bei Kötzschenbroda angeschnittene GrĂ€berfeld schon frĂŒhe christliche EinflĂŒsse zeigt. Diese entstanden, da 929 im Zuge der frĂ€nkischen Ostexpansion die Burg Meißen errichtet wurde. FrĂ€nkische und sĂ€chsische Kolonisten wurden angesiedelt, freie Bauern ĂŒbernahmen slawische Siedlungen oder rodeten neue SiedlungsflĂ€chen. Es gibt Indizien dafĂŒr, dass das unter der Ägide der Burggrafen von Dohna geschah.

Im Jahre 1349 wurde Radebeul erstmals urkundlich erwĂ€hnt. Der Name des heutigen Ortsteils Naundorf fand sich schon 1144 in einer Urkunde. Es folgten 1226 Kötzschenbroda, 1287 Lindenau, 1315 Serkowitz, 1350 Wahnsdorf, 1366 Zitzschewig und 1533 FĂŒrstenhain. 1271 wurde das Kötzschbergische Weingebirge erwĂ€hnt (heute NiederlĂ¶ĂŸnitz) und 1286 findet sich die erste schriftliche ErwĂ€hnung des Lezenitzbergs (heute HoflĂ¶ĂŸnitz beziehungsweise OberlĂ¶ĂŸnitz).

Die Schreibweise von 1349 als RadebĆŻl (altsorbisch fĂŒr Ort des Radobyl) wurde spĂ€ter auf dem alten Siegel durch ein Rad und ein Beil dargestellt. Das Rad ist heute noch Bestandteil des Stadtwappens, obwohl es mit dem Ortsnamen nichts zu tun hat.

Auf das Jahr 1273 ist das erste Dokument ĂŒber ein Radebeuler Bauwerk datiert, die Kirche zu Kötzschenbroda. 1935 bekam sie den Namen Friedenskirche, da am 27. Augustjul. / 6. September 1645greg. im Pfarrhaus der Kirche der Waffenstillstand von Kötzschenbroda unterzeichnet wurde. Er beendete den DreißigjĂ€hrigen Krieg in Sachsen. Durch den Bau des Bahnhofs 1872 in Kötzschenbroda und den Eisenbahnanschluss wuchs die AttraktivitĂ€t des Ortes erheblich. 1879 nahm die ortsansĂ€ssige Sparkasse nach einem zweieinhalbjĂ€hrigen GrĂŒndungsvorlauf die Arbeit auf. Die kleine Gemeinde Radebeul (siehe Alt-Radebeul) und ihr Umland wuchsen um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sehr stark an. 1905 wurde der benachbarte Ort Serkowitz eingemeindet und mit Wirkung vom 1. April 1924 Radebeul zur Stadt erhoben. 1934 wurden die Nachbargemeinden Wahnsdorf und OberlĂ¶ĂŸnitz eingemeindet.

Westlich von Radebeul vollzog sich in den 1920er Jahren eine Ă€hnliche Entwicklung. So gliederte Kötzschenbroda 1920 die Gemeinde Lindenau ein. Durch die Eingemeindung von Naundorf, Zitzschewig und NiederlĂ¶ĂŸnitz 1923 wurde Kötzschenbroda Großgemeinde und am 5. Mai 1924 ebenfalls zur Stadt erhoben. Beide StĂ€dte gehörten zur Amtshauptmannschaft Dresden.

Zusammenschluss mit Kötzschenbroda

Radebeul und Kötzschenbroda wurden zum 1. Januar 1935 zur bezirksfreien Stadt Radebeul zusammengeschlossen. Aufgrund der zum 30. Januar 1935 neuen Deutschen Gemeindeordnung wurde Radebeul am 1. April 1935 zum Stadtkreis erklÀrt (damals bereits etwa 35.000 Einwohner) und der Kreishauptmannschaft Dresden-Bautzen (ab 1. Januar 1939 Umbenennung in Regierungsbezirk Dresden-Bautzen) unterstellt.cite-ref-9[9]

Das Adressbuch weist 1943 sechs Ortsgruppen der NSDAP aus, daneben weitere nationalsozialistische Gruppierungen.

WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs kam es kaum zu Zerstörungen im Stadtgebiet. Am schlimmsten traf es 31 Einwohner der Ahornstraße, auf deren Tod durch von Sprengbomben zerstörte GebĂ€ude eine Bronzetafel an der Ahornstraße 2/4 hinweist. Am 7. und 8. Mai 1945 wurde Radebeul fast kampflos durch die sowjetische Armee besetzt, die Niederwarthaer BrĂŒcke wurde jedoch noch am 8. Mai durch deutsche Truppen gesprengt. Die sowjetische MilitĂ€rverwaltung beschlagnahmte in den folgenden Wochen, und auch noch bis 1947, zahlreiche grĂ¶ĂŸere GebĂ€ude sowie Villen fĂŒr ihre Zwecke; die Bewohner wurden teilweise gezwungen, unter ZurĂŒcklassung der Möbel bis Januar 1950 anderswo unterzukommen.cite-ref-10[10]

Ein Gedenkstein in Friedewald/Dippelsdorf, Großenhainer Str. 71, (am Abzweig Kreyernweg) erinnert daran, dass der deutschstĂ€mmige, jĂŒdische Dolmetscher der Roten Armee Ilja Bela Schulmann am 7. Mai 1945 durch ein Telefonat mit der Radebeuler Stadtverwaltung die kampflose Übergabe der Stadt Radebeul erreichte. OberbĂŒrgermeister von Radebeul war William Erich Heinrich Severit, der ihm die kampflose Übergabe zusagte.

Die Kreisfreiheit der Stadt endete 1947, als sie wieder zum Landkreis Dresden kam.

Im Jahr 1949 wurde in Radebeul ein Heimkombinat „Freies Griechenland“ gegrĂŒndet. In ihm erhielten griechische Kinder eine schulische und berufliche Ausbildung. Über 1.000 Kinder waren nach der Niederlage der Kommunisten im Griechischen BĂŒrgerkrieg 1946–1949 aus Griechenland in die DDR evakuiert worden.

Im Folgejahr 1950 zog die Landesoper Sachsen nach Radebeul, aus ihr entstanden die LandesbĂŒhnen Sachsen. Am 11. Juli 1958 begann mit der GrĂŒndung der LPG LĂ¶ĂŸnitzaue die bis 1960 dauernde Kollektivierung der Landwirtschaft. Am 2. Mai 1959 wurde die Volkssternwarte Adolph Diesterweg eingeweiht, 1960 zog die Puppentheatersammlung nach Radebeul in das Hohenhaus. Die Volkssternwarte erhielt am 3. Oktober 1969 ein neues Planetarium. 1984 wurde die neue Schwimmhalle eingeweiht. Am 9. Februar 1985 wurde im Zuge der Karl-May-Renaissance in der DDR die Ausstellung Karl May – Leben und Werk in der Villa Shatterhand und am 26. September 1987 die Dauerausstellung Vom Weinbau im Raum Radebeul in der HoflĂ¶ĂŸnitz eröffnet.

1992 wurde Kötzschenbroda zum Sanierungsgebiet erklĂ€rt, im selben Jahr wurden die ersten Karl-May-Festtage veranstaltet. Zum 850-Jahre-JubilĂ€um der ersten ErwĂ€hnung fand 1994 in Naundorf das erste Dorf- und Schulfest statt. 1995 kam Radebeul mit der Auflösung des Landkreises Dresden zum Landkreis Meißen und wurde mit Wirkung vom 1. MĂ€rz 1995 zur Großen Kreisstadt erklĂ€rt. Ebenfalls in diesem Jahr fanden Feierlichkeiten zum 350. Jahrestag des Waffenstillstands von Kötzschenbroda statt. 1997 wurde der erste Radebeuler Bauherrenpreis vergeben, 1998 die Stiftung Weingutmuseum HoflĂ¶ĂŸnitz eingerichtet und am 13. September der Radebeuler Kunstpreis zum ersten Mal verliehen. 1999 wurde die Historische Weinberglandschaft der LĂ¶ĂŸnitz unter Denkmalschutz gestellt.

Im August 2002 richtete die Jahrhundertflut der Elbe auch in Radebeul schwere SchÀden an. Der Flutscheitel war am 17. August erreicht. 2004 wurde das Zentrum von Radebeul-Ost Sanierungsgebiet.

Im Jahr 2010 feierte die Stadt Radebeul ihr StadtjubilĂ€um „75 Jahre Radebeul“,cite-ref-11[11] bezog sich dabei also auf die 1935 erfolgte Vereinigung der beiden 1924 einzeln zu StĂ€dten ernannten Gemeinden Kötzschenbroda und Radebeul, nicht auf die Erlangung des Stadtrechts von 1924.

Die spĂ€ter widerrufene Wahl des Schriftstellers Jörg Bernig zum Kulturamtsleiter von Radebeul im Mai 2020 sorgte fĂŒr bundesweite heftige Kontroversen,cite-ref-12[12] denen erst durch eine Sonderwahl des Stadtrats im Juni 2020 entgegnet werden konnte, der dann „mit großer Mehrheit“ die vormalige Kandidatin der hauptamtlichen Verwaltung, eine ausgewiesene Kulturamtsfachfrau, zur kĂŒnftigen Kulturamtsleiterin wĂ€hlte.cite-ref-13[13]

Religion

Siehe auch

:

Liste von Sakralbauten in Radebeul

und

Liste der Friedhöfe in Radebeul

Die Friedenskirche (evangelisch-lutherisch) in Kötzschenbroda steht an der Stelle des Ă€ltesten Kirchenbaus der LĂ¶ĂŸnitz. Das im 12. Jahrhundert entstandene GebĂ€ude, welches 1273 urkundlich zum ersten Mal erwĂ€hnt wurde, wurde 1429 durch die Hussiten zerstört. 1477 wurde ein spĂ€tgotischer Neubau begonnen, der 1510 geweiht werden konnte. Erster namentlich bekannter Pfarrherr des Kötzschenbrodaer Sprengels, der neben Kötzschenbroda auch die Dörfer Naundorf, Zitzschewig und Lindenau sowie im Westen Coswig und Kötitz umfasste, war 1296 Johannes Bolian. Im Osten lag die Filialkirche von Kaditz, zu deren Sprengel die Dörfer Radebeul, Serkowitz, Trachau und Pieschen gehörten. Die Kaditzer Filialkirche wurde bis zur SĂ€kularisierung von Kötzschenbroda aus mit betreut. Die Kirchen gehörten zum Archidiakonat Nisan.

1537 verließ der letzte katholische Pfarrer die LĂ¶ĂŸnitz, und 1539 wurde von Herzog Heinrich dem Frommen die Reformation und damit der protestantische Glaube eingefĂŒhrt. Erster evangelischer Pfarrer in Kötzschenbroda wurde Veit Hammer (Vitus Malleus). Seine Parochie umfasste neben Kötzschenbroda noch FĂŒrstenhain, Naundorf, Zitzschewig und Lindenau. 1558 wurde die Kirche beim Dorfbrand schwer beschĂ€digt und 1637 durch schwedische Truppen fast völlig zerstört. Nach dem Waffenstillstand von Kötzschenbroda 1645 im Gemeindehaus wurde die Kirche unter dem langjĂ€hrigen Pfarrer Augustin Prescher bis 1656 wiederaufgebaut.

Die in der LĂ¶ĂŸnitz verbliebenen Katholiken gehörten kĂŒnftig zur Gemeinde der Dresdner Hofkirche, spĂ€ter zur St.-Josefs-Gemeinde in Dresden-Pieschen. 1834 waren dies laut Erhebung auf dem Gebiet der LĂ¶ĂŸnitz noch neun Einwohner.cite-ref-14[14] Außerdem wurde 1834 in NiederlĂ¶ĂŸnitz ein Einwohner reformierten Glaubens registriert.cite-ref-15[15]

Nachdem 1839 das neugegrĂŒndete NiederlĂ¶ĂŸnitz zur Parochie Kötzschenbroda dazugekommen war, beschloss der Gemeinderat 1882, die Kirche vollumfĂ€nglich den stark wachsenden VerhĂ€ltnissen anzupassen und weitgehend umzubauen. 1935 erhielt die Kötzschenbrodaer Kirche den Namen Friedenskirche.

Ebenfalls 1839 kam das neugegrĂŒndete OberlĂ¶ĂŸnitz zum Kirchspiel Kaditz hinzu. 1854 wurde mit der neuerrichteten OberlĂ¶ĂŸnitzer Schule auch ein Betsaal eingerichtet, in dem in der Folgezeit immer hĂ€ufiger Gottesdienste abgehalten wurden. So entstand in den östlichen LĂ¶ĂŸnitzgemeinden der Wunsch nach einer eigenen Parochie, die 1890 gebildet wurde. 1892 konnte die neue evangelisch-lutherische Kirche zu Radebeul eingeweiht werden. 1934 erhielt sie den Namen Lutherkirche.

Die 1871 staatlich anerkannte katholisch-apostolische Gemeinde in Dresden hatte 1898 in der LĂ¶ĂŸnitz etwa 60 Gemeindemitglieder. Auf Grund dessen wurde 1899/1900 in NiederlĂ¶ĂŸnitz in der damaligen Friedrich-August-Straße ein eigener Betsaal gebaut. Ab 1905 verbrachte der ehemalige katholisch-apostolische Bischof von Görlitz, ab 1897 Bischof von Halle an der Saale, Paul von Gersdorf, seinen Lebensabend in der NiederlĂ¶ĂŸnitz.

Nach PlĂ€nen aus dem Jahr 1897, fĂŒr die Dörfer Naundorf und Zitzschewig einen eigenen Friedhof mit Kapelle zu errichten, entstand zwischen 1905 und 1908 eine auch fĂŒr regelmĂ€ĂŸige Gottesdienste genutzte Kapelle, die der Pfarrei in Kötzschenbroda zugehört. 1927 wurden die heutigen Namen Johannesfriedhof und Johanneskapelle verliehen.

1925 lebten unter der hauptsĂ€chlich evangelischen Bevölkerung der LĂ¶ĂŸnitz laut Erhebung 145 Reformierte, 1053 Katholiken, 48 Juden sowie 1924 „Andere“.cite-ref-16[16]

1926 erhielt Kötzschenbroda wieder ein römisch-katholisches Seelsorgeamt; der erste Pfarrer Josef Just war vorher Kaplan an der Dresdner Hofkirche, er betreute auch Coswig, Moritzburg und Radeburg. 1927 wurde in der Heinrichstraße eine provisorische St.-Josef-Kapelle geweiht. Im selben Jahr erhielt die Gemeinde eine Villa in der Borstraße als Katholisches Pfarramt, in deren Erdgeschoss die Christ-König-Kapelle eingerichtet und 1928 geweiht wurde. 2000/2001 entstand nach PlĂ€nen von Behnisch & Partner auf dem GrundstĂŒck die heutige moderne Kirche der Christ-König-Gemeinde. Zur Pfarrei gehört heute auch Friedewald.

Nach 1945 entstand in Radebeul ein neuapostolisches Kirchenleben, da die entsprechenden Einrichtungen in Dresden zerstört waren und zahlreiche entsprechende Umsiedler vor Ort hinzukamen. Erste Gottesdienste wurden ab 1947 im Vereinsraum des Gasthofs Goldener Anker abgehalten. 1949 erhielt die Gemeinde einen eigenen Betsaal, 1950 wurde sie selbstÀndig. Ab 1955 wurde die heutige Kirche errichtet und 1956 geweiht. 2001 hatte die Gemeinde etwa 280 Mitglieder.

Entwicklung der Einwohnerzahlen

Die Ursprungsgemeinde Radebeul war um 1550 ein kleines Dorf mit 71 Einwohnern, wĂ€hrend alle anderen Ursprungsgemeinden (OberlĂ¶ĂŸnitz und NiederlĂ¶ĂŸnitz waren noch nicht gegrĂŒndet) sehr viel grĂ¶ĂŸer waren. Naundorf war mit 312 Einwohnern mehr als viermal und Kötzschenbroda fast neunmal so groß mit 630 Einwohnern.

Radebeul hatte jedoch einen wesentlich höheren Bevölkerungszuwachs mit einer bis etwa 1870 gleichbleibenden Rate. Die Ursprungsgemeinden zusammen hatten 1550 etwa 1541 Einwohner und eine geringere Zuwachsrate bis etwa 1750, ab dann glich sich die Zuwachsrate an die von Radebeul an.

Ab 1871 gab es auf der gesamten LĂ¶ĂŸnitzflur eine regelrechte Bevölkerungsexplosion. Radebeul ĂŒberholte mit 6583 Einwohnern Kötzschenbroda mit 6089 Einwohnern, obwohl noch fĂŒnf Jahre vorher Radebeul ĂŒber 1000 Einwohner weniger hatte als Kötzschenbroda. Rechnet man jedoch das aus der Kötzschenbrodaer Flur ausgegliederte, durch die Entwicklung nach dem Villenkoloniekonzept stark gewachsene NiederlĂ¶ĂŸnitz mit seinen 4338 Einwohnern zu Kötzschenbroda dazu, wĂ€re es auf fast 10.500 Einwohner gekommen.

1900 nahm das Bevölkerungswachstum wieder ab, ab 1905 begannen die Eingemeindungen. Serkowitz kam 1905 zu Radebeul, das damit zum grĂ¶ĂŸten Ort mit 10.568 Einwohnern wurde. 1920 wurde Lindenau eingemeindet und 1923 verdoppelte Kötzschenbroda seine Einwohnerzahl durch weitere drei Nachbargemeinden, es hatte 1925 damit 17.425 Einwohner gegenĂŒber 12.428 von Radebeul. 1924 erhielten beide das Stadtrecht. Daneben gab es als selbststĂ€ndige Landgemeinden nur noch OberlĂ¶ĂŸnitz mit 2186 und Wahnsdorf mit 923 Einwohnern. 1933 hatten diese zusammen 3309 Einwohner, beide wurden 1934 in Radebeul eingemeindet, das damit (Stand: 1933) insgesamt 16.258 Einwohner hat. Kötzschenbroda hatte zu diesem Zeitpunkt 18.909 Einwohner.

1935 wurden beide StĂ€dte vereinigt; aus den 35.167 Einwohnern (1933) wurden bis 1950 44.293. Von da an nahm die Bevölkerung ab bis zum Tiefpunkt 1993 mit 30.339 Einwohnern, was eine Abnahme von einem Drittel gegenĂŒber 1950 bedeutete.

Seit 1993 nimmt die Bevölkerung wieder zu, Ende 2013 lag die Bevölkerungszahl von Radebeul mit ĂŒber 33.390 Einwohnern höher als 1988 vor der Wende, jedoch niedriger als zum Zeitpunkt der Vereinigung beider StĂ€dte 1935. Der AuslĂ€nderanteil liegt bei etwa zwei Prozent. Der Bevölkerungszuwachs entsteht aus der positiven Differenz von ZuzĂŒgen nach Radebeul gegenĂŒber einem derzeit knapp negativen Saldo von Verstorbenen gegenĂŒber Lebendgeborenen.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]cite-ref-21[21] In allen drei Varianten der Regionalisierten Bevölkerungsprognose fĂŒr den Freistaat Sachsen bis 2025 wĂ€chst die Einwohnerschaft von Radebeul und könnte laut der Prognose 2025 zwischen 34.000 und 34.400 Einwohner erreichen.cite-ref-22[22] Dieser Wert ist wider die ursprĂŒnglichen Erwartungen schon mit Beginn des Jahres 2016 erreicht worden. Radebeul erlebt wie alle anderen StĂ€dte im Ballungsraum Dresden seit 2012 ein beschleunigtes Wachstum seiner Bevölkerung.

Mit dem 31. Juli 2011 wurde Radebeul die einwohnerstĂ€rkste Stadt (33.732 Einwohner) im Landkreis Meißen, da Riesa zeitgleich auf 33.698 Einwohner abnahm.cite-ref-23[23] Dieser Trend setzt sich weiter fort und Radebeul ist die mit Abstand grĂ¶ĂŸte Stadt im Landkreis Meißen (Stand 2015). Seit 2015 schwankt die Einwohnerzahl um die 34.000.

Entwicklung der Einwohnerzahlen seit 1550 im Detail

Ursprungsgemeinde Radebeul mit den jeweiligen Eingemeindungencite-ref-stadtlexikon-24-0[24]

| Jahr | 1550 | 1750 | 1834 | 1849 | 1871 | 1890 | 1900 | 1910 | 1919 | 1925 | 1933 | 1934 | 1935 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 71 | 239 | 390 | 470 | 647 | 2.783 | 6.583 | 11.402 | 11.497 | 12.428 | 12.949 | etwa 16.300 | etwa 35.200 |

Addition aller 10 Ursprungsgemeinden (LĂ¶ĂŸnitzortschaften)cite-ref-stadtlexikon-24-1[24]

| Jahr | 1550 | 1750 | 1834 | 1849 | 1871 | 1890 | 1900 | 1910 | 1919 | 1925 | 1933 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 1.541 | 2.061 | 4.551 | 5.195 | 7.387 | 16.100 | 26.220 | 29.788 | 30.803 | 32.962 | 35.167 |

Stadt Radebeul nach der Vereinigung von Radebeul und Kötzschenbroda 1935cite-ref-stadtlexikon-24-2[24] (Korrigierte Einwohnerzahl nach Zensus 2011)cite-ref-zensus2011-25-0[25]

| Jahr | 1935 | 1946 | 1950 | 1960 | 1970 | 1980 | 1990 | 2000 | 2010 | 2011 | 2012 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | etwa 35.200 | 41.207 | 44.293 | 40.349 | 39.626 | 34.129 | 31.195 | 33.387 | 33.708 | 33.769 | 33.279 [ 25 ] | 34.055 | 33.826 | 33.954 | 34.008 | 33.894 | 33.843 | 33.743 |

Ergebnisse und Auswirkung des Zensus 2011

Die vorherige Bevölkerungsangabe zum 9. Mai 2011 aufgrund der Fortschreibungen betrug 33.708 Einwohner. Als Ergebnis des 2011er-Zensus wurde diese Zahl auf 33.202 Einwohner korrigiert, eine ZurĂŒcknahme um 1,5 %. Dies ist die kleinste Differenz im Vergleich zu den NachbarstĂ€dten. Und auch im Vergleich zum Landkreis Meißen (−2,1 %), Land Sachsen (−2,0 %) und Deutschland (−1,8 %) sorgt die geringere RĂŒcknahme der Zahlen dafĂŒr, dass Radebeul relativ zum Umland gesehen grĂ¶ĂŸer wurde. Damit ergeben sich durch die Neufestsetzung der Einwohnerzahlen keine negativen Auswirkungen auf die stĂ€dtischen Finanzzuweisungen.

Mit diesen Ergebnissen blieb Radebeul auch weiterhin die einwohnerstĂ€rkste Stadt des Landkreises, da Riesa einen RĂŒckgang seiner Einwohnerzahl auf 32.539 zu verzeichnen hatte, was eine Differenz zur ursprĂŒnglichen Angabe von −3,8 % bedeutet.cite-ref-26[26]

Politik

→

Hauptartikel

:

Liste der OberbĂŒrgermeister von Radebeul

OberbĂŒrgermeister ist seit 2001 der parteilose Bert Wendsche, der gleichzeitig mehrere GeschĂ€ftsbereiche einschließlich der KĂ€mmerei fĂŒhrt. Am 12. Juni 2022 wurde er mit 74,6 % der abgegebenen, gĂŒltigen Stimmen (2015: 73,7 %, 2008: 98,3 %, 2001: 59,4 %) fĂŒr weitere sieben Jahre zum OberbĂŒrgermeister wiedergewĂ€hlt.cite-ref-27[27] Wendsche wird von zwei BĂŒrgermeistern als Stellvertreter unterstĂŒtzt, Jörg MĂŒller (seit 2001)cite-ref-28[28] als Erster BĂŒrgermeister mit dem GeschĂ€ftsbereich Stadtentwicklung und Bau und Silvio Kockentiedt (seit 2023)cite-ref-29[29] als Zweiter BĂŒrgermeister mit den GeschĂ€ftsbereichen Hauptamt, Rechts- und Ordnungsamt und Amt fĂŒr Bildung, Jugend und Soziales.

Das amtliche Mitteilungsblatt der Stadt ist das Radebeuler Amtsblatt (ISSN 1865-5564).

Haushalt

Die Stadt wies Ende des Jahres 2021 einen Schuldenstand von 17,884 Millionen Euro (Vorjahr: 20,198 Millionen Euro) auf; Anfang 2013 lag dieser bei gut 38,3 Millionen, da die Stadt die Verbindlichkeiten des stĂ€dtischen SportstĂ€ttenbetriebs ĂŒbernommen hatte (ausgehend von 55,3 Millionen Euro Kreditschulden im Jahr 2002). Der Jahresendwert entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung je Einwohner von 528 Euro (Vorjahr: 596 Euro); seit 2017 liegt damit die Pro-Kopf-Verschuldung unter dem vom SĂ€chsischen Innenministerium vorgegebenen Satz von 850 Euro/Einwohner. Der Durchschnittszinssatz fĂŒr alle Radebeuler Kredite lag Ende 2021 bei 0,44 % (Vorjahr: 0,62 %); die Projektion sieht eine Tilgung der Gesamtschulden bis 2032 vor.cite-ref-30[30]

Im Radebeuler Amtsblatt 02/2023 wurde der Jahresabschluss 2021 der Stadt Radebeul nach dem System der Doppik veröffentlicht. FĂŒr das Vermögen der BĂŒrgerschaft der Stadt Radebeul wurden der Jahresabschluss der Stadt Radebeul und der Jahresabschluss des sogenannten Konzerns Stadt einschließlich aller zu konsolidierenden Tochtergesellschaften als Jahresergebnis sowie als konsolidierte Bilanz (Vermögensausweis) aufgefĂŒhrt. Dabei wurden in Radebeul ganz oder anteilig die folgenden Beteiligungen berĂŒcksichtigt:

‱ Unternehmen der Beteiligungsgesellschaft der Stadt Radebeul mbH (100 %)
‱ Besitzgesellschaft der Stadt Radebeul mbH (100 %)
‱ StadtbĂ€der und Freizeitanlagen Radebeul GmbH (98,04 %)
‱ Elbtal-Beteiligungsgesellschaft mbH (69 %)
‱ Stadtwerke Elbtal GmbH (35,2 %)
‱ Wasserversorgung und StadtentwĂ€sserung Radebeul GmbH (assoziiert, 26,7 %)
‱ Weingut HoflĂ¶ĂŸnitz GmbH (assoziiert, 25 %)

Die Jahresergebnisse 2021 von Stadt und Konzern Stadt waren wie im Vorjahr positiv. Das Eigenkapital der Stadt in der Bilanzsumme lag bei 54,4 %, im Konzern Stadt bei 45,3 % (2020: 53,5 %, 44,2 %).cite-ref-31[31] Der Wert des Gesamtvermögens der BĂŒrgerschaft (Schulen, Straßen, Infrastruktur etc.) konnte erhöht werden, die dazu notwendigen Kredite wurden abgebaut. Das Jahresergebnis des Konzerns Stadt wies einen Überschuss von etwa 11,6 Millionen Euro bei ErtrĂ€gen von etwa 150,7 Millionen Euro auf (2020: 9,6 Mill. Euro, 144,2 Mill. Euro); erwirtschaftete Abschreibungen und der Überschuss dienten zur Schuldentilgung und als Eigenmittel bei Investitionen. Die Bilanzsumme 2021 des Konzerns Stadt betrug 422,2 Millionen Euro, was auf die BĂŒrger umgelegt etwa 12.512 Euro ergab (2020: 406,8 Mill. Euro, 12.021 Euro).cite-ref-32[32]

Radebeul als Mittelzentrum im Verdichtungsraum hat zahlreiche Aufgaben, die sonst z. B. beim Landkreis liegen; unter anderem liegen die staatlichen Aufgaben der Bauordnung wie auch der Verkehrsbehörde bei der Stadt selbst. Um dies im kommunalen Finanzausgleich entsprechend zu berĂŒcksichtigen, werden entsprechende Einwohnerveredelungen vorgenommen. Bei Radebeul ergab sich nach dem SĂ€chsischen Finanzausgleichsgesetz fĂŒr diese Zwecke eine veredelte Einwohnerzahl zum 31. Dezember 2020 von 54.115 (veredelten) Einwohnern; die eigentliche Einwohnerzahl lag bei 33.843.cite-ref-33[33]

Stadtrat

Stadtratswahl 2024

Wahlbeteiligung:

73,3 % (2019: 70,8 %)

%

40

30

20

10

0

32,8 %

(+7,2

%p

)

25,3 %

(+6,2

%p

)

13,0 %

(−6,4

%p

)

9,7 %

(−4,0

%p

)

7,2 %

(+0,8

%p

)

6,1 %

(−0,5

%p

)

5,8 %

(−3,3

%p

)

CDU

AfD

GrĂŒne

FW

SPD

FDP

Linke

2019

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2024

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Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen

Anmerkungen:

im Vergleich zu: BĂŒrgerforum/GrĂŒne

Freie WĂ€hler

Der Stadtrat von Radebeul als zweites Organ der Stadt nach der SĂŒddeutschen Ratsverfassung neben dem OberbĂŒrgermeister setzt sich aus 34 StadtrĂ€ten zusammen, die zuletzt bei der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 gewĂ€hlt wurden. Das Ergebnis kann den nebenstehenden Diagrammen entnommen werden.

| | Wahlvorschlag | 2024 [ 34 ] | 2024 [ 34 ] | 2019 [ 35 ] | 2019 [ 35 ] | 2014 [ 36 ] | 2014 [ 36 ] |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| | Wahlvorschlag | Sitze | in % | Sitze | in % | Sitze | in % |
| | CDU | 11 | 32,8 | 9 | 25,6 | 11 | 31,2 |
| | AfD | 9 | 25,3 | 6 | 19,1 | – | – |
| | GrĂŒne (bis 2019 mit BĂŒrgerforum) | 5 | 13,0 | 7 | 19,4 | 5 | 15,2 |
| | Freie WĂ€hler | 3 | 9,7 | 5 | 13,7 | 8 | 22,3 |
| | SPD | 2 | 7,2 | 2 | 6,4 | 3 | 9,1 |
| | FDP | 2 | 6,1 | 2 | 6,6 | 2 | 6,5 |
| | Linke | 2 | 5,8 | 3 | 9,1 | 4 | 12,7 |
| | NPD | – | – | – | – | 1 | 3,0 |
| | Wahlbeteiligung | 73,3 % | 73,3 % | 70,8 % | 70,8 % | 53,4 % | 53,4 % |

Ortschaftsrat Wahnsdorf

Im Stadtteil Wahnsdorf gibt es einen Ortschaftsrat, der sich aus sieben Ratsleuten (6 MĂ€nner und 1 Frau) zusammensetzt (Wahlbeteiligung: 75,1 % [2014: 65,7 %]):cite-ref-37[37]

| Partei / Liste | Stimmenanteil 2019 | Sitze 2019 | Partei / Liste | (Stimmenanteil 2014) | (Sitze 2014) |
|---|---|---|---|---|---|
| BĂŒrgerliste | 100,0 % | 7 | BĂŒrgerliste Wahnsdorf | 75,3 % | 6 |
| | | | CDU | 24,7 % | 1 |

Wappen

Blasonierung: Geteilt von Silber ĂŒber Rot; oben eine grĂŒne Weintraube mit Laub, unten ein sechsspeichiges silbernes Rad.

Bedeutung: Die Weintraube kommt schon seit langem in verschiedenen Formen in Gemeindesiegeln der Ursprungsgemeinden vor, beispielsweise im Gemeindesiegel von Kötzschenbroda, aber auch von Serkowitz und Zitzschewig. Sie weist auf den in der LĂ¶ĂŸnitz seit Jahrhunderten betriebenen Weinbau hin. Das Rad ist eine volksetymologische (redende) Deutung fĂŒr den Stadtnamen von Radebeul, es tritt im alten Gemeindesiegel ĂŒber einem Beil auf.

Aus MarketinggrĂŒnden setzt die Stadt hĂ€ufig ein Logo statt des offiziellen Wappens ein. Zu diesem gehört die Marke „Radebeul – Stadt zum Genießen“.

StÀdtepartnerschaften

Radebeul unterhĂ€lt mehrere StĂ€dtepartnerschaften. Die Ă€lteste Partnerschaft wird mit St. Ingbert im Saarland seit 1988 gepflegt. Die StĂ€dtepartnerschaft mit AubouĂ© im DĂ©partement Meurthe-et-Moselle wurde von französischer Seite ohne Angabe von GrĂŒnden im MĂ€rz 1990 abgebrochen. Sie existierte seit 1961. Seit 1998 existiert eine StĂ€dtepartnerschaft mit Sierra Vista in Arizona, USA. Im Rahmen der StĂ€dtepartnerschaft mit Sierra Vista bestehen seit 2000 auch freundschaftliche Verbindungen zu der jenseits der Grenze gelegenen mexikanischen Stadt Cananea. Die dritte und jĂŒngste Partnerschaft wurde im Jahr 2004 mit der Stadt Obuchiw (ĐžĐ±ŃƒŃ…Ń–ĐČ; Oblast Kiew) in der Ukraine abgeschlossen.

Eine StÀdtefreundschaft besteht seit 1990 mit Ostfildern.

Kultur und SehenswĂŒrdigkeiten

Weinanbau

→

Hauptartikel

:

LĂ¶ĂŸnitz (Großlage)

Siehe auch

:

Liste von WinzerhÀusern in Radebeul

und Kategorie:Weinbau (Radebeul)

Radebeul liegt an der SĂ€chsischen Weinstraße. Es ist bekannt fĂŒr die sowohl NiederlĂ¶ĂŸnitz als auch OberlĂ¶ĂŸnitz prĂ€genden Steillagen mit ihren trockengesetzten Weinbergsmauern. Diese sind nicht nur als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, sondern auch seit 1999 insgesamt als Denkmalschutzgebiet Historische Weinberglandschaft Radebeulcite-ref-38[38] geschĂŒtzt worden. Der hier angebaute Wein wird als Großlage LĂ¶ĂŸnitz zusammengefasst. Diese besteht aus den Einzellagen Goldener Wagen, SteinrĂŒcken und Johannisberg. Zu den bekanntesten WeingĂŒtern zĂ€hlen das stĂ€dtische Weingut HoflĂ¶ĂŸnitz (mit Weinbaumuseum), das sĂ€chsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth. Erste Belege fĂŒr den Radebeuler Weinanbau sind bereits fĂŒr das Jahr 1271 zu finden. Von dieser langen Zeit zeugen auch viele WinzerhĂ€user, bisweilen noch aus dem Barock, teilweise aus dem hier ĂŒblichen rötlichen Syenitgestein, teilweise auch in Fachwerk. Auch die vielen trocken gesetzten Weinbergsmauern bestehen aus diesem Syenit. Die Radebeuler Weinberge werden durch fĂŒnf Weinwanderwege (Historische Waldroute, Route OberlĂ¶ĂŸnitz, Route NiederlĂ¶ĂŸnitz, Route Wackerbarth, Route Zitzschewig) durchzogen, die jeweils vom SĂ€chsischen Weinwanderweg abzweigen.

Als Nebenkultur wurde bereits seit dem Mittelalter die Erdbeere kultiviert. Neben der Walderdbeere wurde, vor allem im 19. Jahrhundert, die hitze- und frostresistente, kirschgroße LĂ¶ĂŸnitzer Weinbergserdbeere gezĂŒchtet, die zu den frĂŒhreifen Sorten gehörte. Ab 1855 wurde auch Leipzig per Eisenbahn von Kötzschenbroda aus beliefert, zur Sicherstellung der Mengen fand dazu tĂ€glich die von etwa 50 HĂ€ndlern betriebene Erdbeerbörse statt. Auch von Alt-Radebeul aus wurden Leipzig, Chemnitz und sogar Berlin beliefert. In der Zeit nach der Reblauskatastrophe gingen in Kötzschenbroda von der Gesamterntemenge ab den 1880er Jahren durchschnittlich 30 t Erdbeeren auf die Bahn, im Spitzenjahr 1907 waren es 70 t.

Bauwerke und SehenswĂŒrdigkeiten

Siehe auch

:

Liste der Kulturdenkmale in Radebeul

und Kategorie:Kulturdenkmal in Radebeul

Siehe auch

:

Liste historischer MĂŒhlen der LĂ¶ĂŸnitz

Auf der Hangkante, von unten im Tal gut zu sehen, befinden sich eine Reihe von bedeutenden Radebeuler Bauwerken: so im Westen oberhalb von Schloss Wackerbarth der Jacobstein und dahinter die Volkssternwarte Adolph Diesterweg, die regelmĂ€ĂŸig öffentliche Himmelsbeobachtungen und astronomische VortrĂ€ge anbietet. Der in den GebĂ€uden der Sternwarte beheimatete Astroclub Radebeul ist verantwortlich fĂŒr eine weitere SehenswĂŒrdigkeit: den von seinem Mitglied Martin Fiedler entdeckten Asteroiden 149884 Radebeul (2005 RD9).cite-ref-39[39] Weiter nach Osten finden sich das Berghaus Neufriedstein (im Volksmund auch MĂ€tressenschlösschen genannt), der ebenfalls weiße Wasserturm und die Friedensburg. Weiter im Osten stehen der Bismarckturm und das Spitzhaus, dazwischen fĂŒhren die Spitzhaustreppen hinunter zum stĂ€dtischen Weingut HoflĂ¶ĂŸnitz.

WĂ€hrend im ehemaligen Wohnhaus Karl Mays ein Museum eingerichtet ist (Radebeul-Ost), ist das Hohenhaus (Radebeul-West), in dem Gerhart Hauptmann und Carl Hauptmann ihre Ehefrauen fanden, zwar dem Hauptmannverbund angeschlossen, befindet sich aber in Privatbesitz. In dem Haus, in dem sich bis in die 1990er Jahre die Dresdner Puppentheatersammlung befand, werden in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden kulturelle Veranstaltungen durchgefĂŒhrt. Bei der vom Berliner Architekten Otto March 1890/1891 fĂŒr den Chemiker Carl Kolbe, Generaldirektor der Chemischen Fabrik v. Heyden, entworfenen Villa Kolbe, einem NeorenaissancegebĂ€ude im Stil eines Renaissanceschlosses, handelt es sich um „eine der aufwendigsten und architektonisch qualitĂ€tsvollsten Villen von Radebeul und seiner weiteren Umgebung.“cite-ref-denkmaltopo-5-2[5] Diese verfĂ€llt zusehends.

Die Stadtentwicklung aus den Ursprungsgemeinden lĂ€sst sich heute besonders gut an den erhaltenen Dorfangern von Altkötzschenbroda und von Naundorf erkennen. Der Anger von Altkötzschenbroda wurde unter Wahrung der DenkmĂ€ler zu einer Veranstaltungsmeile saniert, wĂ€hrend der Anger von Naundorf heute noch als Wohnanger seinen ursprĂŒnglichen Zweck bewahrt hat.

Zu den technischen SehenswĂŒrdigkeiten zĂ€hlt der vom Bahnhof Radebeul-Ost fahrende LĂ¶ĂŸnitzdackel, eine 1884 eröffnete Schmalspurbahnlinie ĂŒber Moritzburg bis nach Radeburg. Auf der Elbe verkehren historische Raddampfer der Weißen Flotte auf der Fahrt zwischen Dresden und Diesbar. Eine weitere SehenswĂŒrdigkeit ist die Wellenmaschine Marke Undosa (die Wellenreiche) im Bilzbad, die Ă€lteste Wellenmaschine ihrer Bauart. Sie wurde 1912 eingebaut und ist noch heute in Betrieb. DarĂŒber hinaus gibt es in Radebeul zahlreiche denkmalgeschĂŒtzte Baulichkeiten der Kleinarchitektur.

In Radebeul gibt es eine große Gartenbahn (An der JĂ€germĂŒhle 3), bei der es wegen ihrer Lage zwischen LĂ¶ĂŸnitzbach und der LĂ¶ĂŸnitzgrundbahn bisweilen zu Begegnungen zwischen Schmalspurbahn und 5-Zoll-Gartenbahn kommt.

In Radebeul stehen etwa 1270 Denkmaladressen unter Denkmalschutz. Aufgrund der fĂŒr einen Ort dieser GrĂ¶ĂŸe außergewöhnlich hohen Anzahl von DenkmĂ€lern besaß die Radebeuler Stadtverwaltung einen eigenen Fachbereich Denkmalschutz, was im Normalfall nur fĂŒr kreisfreie StĂ€dte und Landkreise vorgesehen ist und nur in AusnahmefĂ€llen fĂŒr KreisstĂ€dte genehmigt wird. In Sachsen galt dies neben Radebeul nur noch in Freiberg und in Pirna.

Zum 1. Juli 2012 jedoch „opfert[e] Radebeul den Denkmalschutz“, um alle „Register fĂŒr die LandesbĂŒhnen Sachsen“ ziehen zu können.cite-ref-dnndenkmalschutz-40-0[40] Die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr den Denkmalschutz wurde an den Landkreis Meißen nach Großenhain abgegeben. Im Gegenzug sollte das „Landratsamt darĂŒber nach[denken], ein Beratungszimmer im Jobcenter auf der Dresdner Straße [in Radebeul] einzurichten.“cite-ref-dnndenkmalschutz-40-1[40] Damit „verlier[t] Radebeul [das] ĂŒber Jahrzehnte zusammengetragene[
] Denkmalarchiv, eine echte Schatzkammer an Wissen“ sowie die „Fachkompetenz und [das] Engagement der Mitarbeiter fĂŒr ihre Stadt.“cite-ref-gruenedenkmalschutz-41-0[41] Die „rein ökonomischen GrĂŒnde[
]“cite-ref-gruenedenkmalschutz-41-1[41] und die mehrheitliche Entscheidung des Stadtrats wurden vom OberbĂŒrgermeister so erklĂ€rt, dass insbesondere die „immer weiter anwachsenden Belastungen [
] der unteren Denkmalschutzbehörde ohne sachgerechten finanziellen Ausgleich sowie die seitens des Landes erzwungene regelmĂ€ĂŸige finanzielle Beteiligung der Stadt an den LandesbĂŒhnen“ nebst dem vom ehemaligen RegierungsprĂ€sidium „»ererbten« BearbeitungsrĂŒckstau bei den Steuerbescheinigungen“ zur Denkmalabschreibung zu dieser Entscheidung gezwungen haben.cite-ref-42[42]

Nachdem es in Radebeul gehĂ€uft zu unmaßstĂ€blichen und architektonisch unpassenden Neubauten kam, die den Villen- und Gartenstadtcharakter des Ortes gefĂ€hrdeten, formierte sich Protest aus der Bevölkerung dagegen. Schließlich wurde 2021 ein Expertenrat fĂŒr Neubauten einberufen, sodass bei Neubauvorhaben der einmalige historische Charakter Radebeuls erhalten wird.cite-ref-43[43]

Denkmale

Siehe auch

:

Liste der denkmalgeschĂŒtzten Denkmale und Skulpturen in Radebeul

und Kategorie:Denkmal in Radebeul

Als bedeutendstes Denkmal steht auf dem Kirchhof der Friedenskirche in Kötzschenbroda das 2005 restaurierte Sandstein-Bildwerk Chronos und die Trauernde oder auch Chronos und klagendes Weib (wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert). DarĂŒber hinaus fĂŒhrt die Objektliste des vereins fĂŒr denkmalpflege und neues bauen weit ĂŒber 200 Objekte Kunst im öffentlichen Raum auf (viele davon DenkmĂ€ler, Stelen, Plastiken oder Gedenksteine). Darunter befindet sich das Grabmal von Karl und Klara May.

Am Rosa-Luxemburg-Platz befindet sich das Denkmal der VVN fĂŒr die Opfer des Faschismus.

Am 26. Juli 2005 wurden in Radebeul vor dem Wettin-Haus, am Anfang der Moritzburger Straße, im Rahmen des gleichnamigen Projekts fĂŒnf Stolpersteine im Andenken an MitbĂŒrger verlegt,cite-ref-44[44] die nach Theresienstadt beziehungsweise Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden.

Theater und Kino

1950 zog die Landesoper Sachsen von Dresden-Gittersee nach Radebeul, aus der die LandesbĂŒhnen Sachsen entstanden. Das Stammhaus befindet sich in Radebeul, weitere SpielstĂ€tten sind die FelsenbĂŒhne Rathen und der Dresdner Zwinger. Es werden Oper, Operette, Musical, Schauspiel, Ballett oder Sinfoniekonzerte aufgefĂŒhrt. An den Karl-May-Festtagen ist die LandesbĂŒhne federfĂŒhrend beteiligt.

Im Bahnhof Radebeul-West befand sich ab 2006 das Palastkino. Das Kino verfĂŒgte ĂŒber neun Sitze und wurde als Kleinstes Kino der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. Es liefen vor allem Kult- und Independent-Filme. Das Kino wurde an Privatleute, Vereine, KindergĂ€rten, Schulen oder Firmen vermietet.

Die Theatergruppe Heiterer Blick wurde 1946 in Radebeul gegrĂŒndet. In der Geschichte der Amateurtheatergruppe gab es Abspaltungen und Wiedereingliederungen anderer sĂ€chsischer Theatergruppen. In den siebziger Jahren wurde als Jugendtheater Planeta (heute KBA) die produktivste Phase unter der Leitung von Klaus Kunick (geb. 1933; gest. 6. August 2007) mit zeitweise ĂŒber hundert Mitgliedern und vier Inszenierungen pro Jahr erreicht. Gespielt wurde im Klubhaus Heiterer Blick und auf zahlreichen Gastspielen. Seit den 1990er Jahren wird in wesentlich kleinerer Besetzung gespielt. In den letzten Jahren waren die bedeutendsten Auftritte bei den Hanauer Internationalen Theatertagen, beim 60-jĂ€hrigen Bestehen des Vereins (2006) und beim Internationalen Wandertheaterfestival in Altkötzschenbroda. Der Verein ist Mitglied des Landesverbandes der Amateurtheater Sachsens. Bekannte Mitglieder des Theaters waren/sind Rolf Ludwig, Klaus Kunick, Friedemann A. Nawroth und Ruth Kelker.

Das Radebeuler christliche Amateur-Wandertheater KERIJAtheater tritt in ganz Sachsen, vorwiegend in christlichen Gemeinden, auf.

Kabarett gibt es seit dem 24. September 2004 wieder im KGB (Kabarett-Gewölbe-BĂŒrgergarten) in Altkötzschenbroda.

Musik

Radebeul hat eine eigene Hymne, das LĂ¶ĂŸnitzlied, dessen Musik und Worte von Herbert Schweiniger stammen.cite-ref-45[45]

Historisch gesehen gab es in der LĂ¶ĂŸnitz zahlreiche Gesangsvereine, von denen einige noch heute existieren. Der Ă€lteste noch aktive Chor ist der MĂ€nnerchor Radebeul „Liederkranz“ von 1844, der 1997 vom damaligen BundesprĂ€sidenten Roman Herzog die Zelter-Plakette erhielt. Knapp 85 Jahre lang gab es, bis Mitte der 1950er Jahre, mit der LĂ¶ĂŸnitz-Kapelle ein eigenstĂ€ndiges Stadt-Sinfonieorchester. Seit etwa jener Zeit bespielen die LandesbĂŒhnen Sachsen ihr Haus in Radebeul.

Musikalisch betĂ€tigt wird sich in der Musikschule des Landkreises Meißen, im Musikhaus Radebeul (Ost), bei der Chorgemeinschaft Radebeul-Lindenau 1895 e. V., dem MĂ€nnerchor Radebeul e. V. sowie dem 1987 gegrĂŒndeten LĂ¶ĂŸnitzchor e. V. Radebeulcite-ref-46[46] und in den Kirchen.

Museen

Siehe auch

:

Liste der Radebeuler Kulturdenkmale der LĂ¶ĂŸnitzgrundbahn

Am 1. Dezember 1928 wurde 16 Jahre nach seinem Tod in Karl Mays Villa Shatterhand in der Karl-May-Straße das Karl-May-Museum eröffnet. Dort findet sich neben der 1985 eröffneten Ausstellung „Karl May – Leben und Werk“ auch das restaurierte und mit dem originalen Inventar ausgestattete Arbeitszimmer Mays, seine Bibliothek sowie der Empfangssalon (das sogenannte Sascha-Schneider-Zimmer), ferner das Arbeitszimmer Klara Mays. Alle RĂ€ume sind in jenem Einrichtungszustand wie zu ihrem jeweiligen Lebensende eingerichtet. Auch sind der Henrystutzen, der BĂ€rentöter und die SilberbĂŒchse nebst einer BĂŒste von Winnetou ausgestellt.

In dem ebenfalls auf dem GelĂ€nde stehenden Blockhaus Villa BĂ€renfett ist eine einzigartige völkerkundliche Indianerausstellung zu sehen. Der Grundstock der Indianersammlung stammt noch von Karl und Klara May. Der bedeutendste Teil der etwa 850 musealen Objekte aus dem Lebens- und Kulturkreis der nordamerikanischen Indianer stammt jedoch vom MitbegrĂŒnder und langjĂ€hrigen Verwalter des Museums, Patty Frank, der seine vollstĂ€ndige Sammlung zur VerfĂŒgung stellte.

Das SĂ€chsische Weinbaumuseum HoflĂ¶ĂŸnitz zeigt Informationen ĂŒber den Weinbau in der LĂ¶ĂŸnitz in Form einer stĂ€ndigen Ausstellung im Berg- und Lusthaus. AlltĂ€gliche GegenstĂ€nde zeigen die Arbeit der Winzer vom Rebschnitt im FrĂŒhjahr bis zur Ernte im Herbst. Auch Wissenswertes ĂŒber die Reblaus ist zu finden. Im Kavalierhaus finden mehrmals jĂ€hrlich wechselnde Sonderausstellungen zum Weinbau, zur bildenden Kunst und zur Heimatgeschichte statt. Die FreiflĂ€che ist dem hiesigen Förderer des Weinbaus, Landwirtschaftsrat Carl Pfeiffer gewidmet.

Das SSB Schmalspurbahnmuseum Radebeul fand seinen Platz in dem alten GebĂ€ude des historischen GĂŒterbodens am Bahnhof Radebeul Ost. Das zum Kulturdenkmal erklĂ€rte GebĂ€ude stand seit Anfang der 1990er Jahre leer, sollte 1995 abgerissen werden. Durch die schonende Sanierung war nicht nur die Möglichkeit einer interessanten Weiternutzung eröffnet, auch die Sanierung selbst wurde 2006 mit dem Radebeuler Bauherrenpreis ausgezeichnet.cite-ref-47[47] Davor stehen am Bahnhof Radebeul-Ost zahlreiche Lokomotiven und Waggons als Dauerausstellung.

Die Stadtgalerie Radebeul am Anger von Altkötzschenbroda zeigt wechselnde Kunstausstellungen, ob zeitgenössische Malerei, Grafik, Plastik oder Fotografie wie auch Bildende und Angewandte Kunst aus der an KĂŒnstlern in der LĂ¶ĂŸnitz reichen Vergangenheit. Im NebengebĂ€ude befindet sich mit der Heimatstube Kötzschenbroda ein Heimatmuseum.

Das LĂŒgenmuseum im historischen Gasthof Serkowitz ist eine Sammlung zeitgenössischer bildender Kunst ĂŒberwiegend expressionistische Installationen, von dadaistischen Arrangements skurriler KĂŒchen- und HandwerksgegenstĂ€nde des beginnenden 20. Jh. ĂŒber politische Reflexionen der DDR-Vergangenheit bis hin zu religionskritischen Persiflagen der christlichen Heiligenverehrung.

Das DDR-Museum Zeitreise als museale Dauerausstellung alltĂ€glicher GegenstĂ€nde wollte in der Meißner Straße im ehemaligen GebĂ€ude des VEB Kraftwerksanlagenbau von 2006 bis zur Insolvenz 2016 nicht nur Interessantes aus der DDR-Zeit zeigen, sondern vor allem „das Leben hinter dem Eisernen Vorhang zum Anfassen“. Ab 2017 werden die Ausstellungsexponate im Dresdner Hochhaus am Albertplatz gezeigt.

Von 1960 bis 2004 befand sich die Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Hohenhaus.

Sport

2007 gibt es 21 Sportvereine, die unter anderem 2 Sportstadien (LĂ¶ĂŸnitzstadion, Weinbergstadion), das Sport- und Freizeitzentrum Krokofit, TennisplĂ€tze und BootshĂ€user an der Elbe nutzen. Außerdem gibt es seit FrĂŒhling 2008 einen Skatepark an der Freizeitanlage „Weißen Haus“. Zum Krokofit gehört eine ganzjĂ€hrig genutzte Schwimmhalle, darĂŒber hinaus stehen im Sommer mit dem Bilzbad und dem LĂ¶ĂŸnitzbad zwei FreibĂ€der zur VerfĂŒgung.

Entsprechend den zwei großen, traditionsreichen Industrieunternehmen gibt es zwei davon abstammende Sportvereine mit einem breiten Angebot an verschiedenen Sportarten: Auf den Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer AG – Werk Radebeul (ehemals Dresdner Schnellpressen-Fabrik/Planeta/Polygraph Druckmaschinenwerk Planeta) geht der Spiel- und Sportverein SSV Planeta Radebeul e. V. zurĂŒck und auf das Pharmazieunternehmen AWD (Chemische Fabrik v. Heyden/Chemische Werke Radebeul/Arzneimittelwerk Dresden) der BSV Chemie Radebeul e. V., als Sportvereinigung Chemische von Heyden 1931 gegrĂŒndet. Er bietet ein Programm von „A wie Aikido bis W wie Winterschwimmen“ (Zitat Eigenwerbung).

Fußball wird im 1908 gegrĂŒndeten Radebeuler BC 08 gespielt, dem sich die Fußball-Abteilungen von Planeta und Chemie angeschlossen haben, um eine schlagkrĂ€ftige Radebeuler Mannschaft zu formen. Diese erreichte 2009 mit ihrem Trainer, dem ehemaligen DDR-Rekordnationalspieler Dixie Dörner, den Aufstieg in die Sachsenliga. Die BSV Chemie Radebeul – Abteilung Tennis gehört mit einer Ostliga- und mehreren Oberliga-Mannschaften zu den erfolgreichsten Tennisvereinen im Raum Dresden. Die Handballer von SSV Planeta und BSV Chemie haben sich am 15. Dezember 2004 zum Radebeuler Handball-Verein zusammengetan. Im Radebeuler Badminton-Verein ist seit 1994 Andreas Benz als Spieler und Trainer aktiv, der in dieser Zeit unter anderem den Vizeweltmeistertitel im Mixed bei den Senioren errang. 2006 verließen die erfolgreichen Radebeuler Nachwuchsspieler Daniel Benz, Gewinner des Silbernen Federballs 2005 und Sohn von Andreas Benz, sowie die Junioren-Europameisterin des Jahres 2005 Janet Köhler Sachsen, um ihre Sportlerkarrieren weiter voranzutreiben. Benz ging zum Badmintongymnasium Frankfurt und spielt heute in der Bundesliga, darĂŒber hinaus ist er Deutscher Hochschulmeister im Herrendoppel 2010/2011. WĂ€hrenddessen ging Köhler zum OlympiastĂŒtzpunkt in MĂŒlheim an der Ruhr.cite-ref-48[48] 2011 wurde sie die erste Speed-Badminton-Weltmeisterin.

Es gibt in Radebeul darĂŒber hinaus einen Verein fĂŒr Rehabilitations- und Gesundheitssport, fĂŒr Hundesport, Mountainbiking, einen SchĂŒtzenverein, einen Schwimmclub, einen Verein fĂŒr Flag Football und American Football (Suburbian Foxes) und fĂŒr Tischtennis.

RegelmĂ€ĂŸige Veranstaltungen

Großen Zuspruch erfahren jedes Jahr die Karl-May-Festtage am Himmelfahrtswochenende mit Sternritt und Reiterparade, PowWow indianischer GĂ€ste, Bluegrass- und Country-Konzerten sowie IndianerĂŒberfĂ€llen auf den Santa-Fe-Express des LĂ¶ĂŸnitzdackels.

Neben dem Karl-May-Fest ist das alljĂ€hrlich in Altkötzschenbroda stattfindende Herbst- und Weinfest das zweite große Festwochenende Radebeuls. Das Herbst- und Weinfest findet in der Regel am letzten Wochenende im September statt und wird seit 1995 durch ein parallel stattfindendes Internationales Wandertheaterfestival bereichert. 2007 waren 50 000 Besucher beim Weinfest/Theaterfestival.cite-ref-49[49]

Der Radebeuler Grafikmarkt, der 1978 gegrĂŒndet wurde und jedes Jahr im Herbst stattfindet, erfreut sich großer Beliebtheit. Hier stellen viele der renommierten KĂŒnstler und Grafiker ihre Arbeiten vor.

Einmal im Jahr findet der Spitzhaustreppenlauf ĂŒber 397 Stufen statt. Er wird seit 2005 vom Veranstalter als SĂ€chsischer Mt. Everest Treppenmarathon durchgefĂŒhrt. 2011 traten bei dem Wettkampf ĂŒber 700 Teilnehmer an.cite-ref-50[50]

Ein weiterer landschaftlich schöner Lauf ist der LĂ¶ĂŸnitzgrundlauf Radebeul, der seit 2004 einmal jĂ€hrlich Ende September mit Start und Ziel am Bilzbad einlĂ€dt.

JĂ€hrlich im November vergibt der verein fĂŒr denkmalpflege und neues bauen radebeul zusammen mit der Stadtverwaltung den Radebeuler Bauherrenpreis, unter anderem in den Kategorien Denkmalsanierung, Altbausanierung und Neues Bauen (2006 als zehntes JubilĂ€um). Statt wie ĂŒblich der Architekt, wird der jeweilige Bauherr fĂŒr qualitĂ€tsvolles Bauen ausgezeichnet. Diese besondere Vorgehensweise fand 2005 Aufnahme als Best Practice im Zweiten Bericht zur Baukultur des Bundesministeriums fĂŒr Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Der jĂ€hrlich im September stattfindende internationale Tag des offenen Denkmals wird in Radebeul aktiv begangen, ebenso wie eine Radebeuler SpezialitĂ€t, der Tag der offenen Aussicht, der sich im jĂ€hrlichen Rhythmus jeweils im FrĂŒhjahr mit dem Tag des offenen Gartens abwechselt. Hinzu kommt um Pfingsten herum der zweitĂ€gige Tag des offenen Weinberges, zu dem die Radebeuler Steillagenwinzer in die drei Weinbergslagen der Radebeuler Großlage LĂ¶ĂŸnitz einladen. Gut zwei Monate spĂ€ter wird auch in Radebeul zum sĂ€chsischen Tag des offenen Weinguts entlang der SĂ€chsischen Weinstraße geöffnet.

Die Stadt Radebeul verleiht jĂ€hrlich den Kunstpreis der Großen Kreisstadt Radebeul an KĂŒnstler, Ensembles oder Kunstförderer, die fĂŒr Radebeul von kĂŒnstlerischer Bedeutung sind. Alle zwei Jahre vergibt der radebeuler couragepreis e. V. am Jahrestag des Waffenstillstands von Kötzschenbroda in der Friedenskirche den Radebeuler Couragepreis.

Wirtschaft und Infrastruktur

BeschÀftigung

Mit einer Herbst-Arbeitslosenquote von 4,9 % (Stand November 2021) hatte die Agentur fĂŒr Arbeit im Landkreis Meißen eine gĂŒnstige Arbeitslosenquote in Sachsen, 0,1 % weniger als im Vormonat. Coronabedingt lag diese Zahl im November 2020 bei 5,6 %, im Vergleichsmonat 2019 hatte sie ebenfalls bei 4,9 % gelegen. Im Bereich der Radebeuler GeschĂ€ftsstelle (zustĂ€ndig fĂŒr Radebeul, Coswig, Radeburg und Moritzburg) lag die Zahl bei 3,6 %; im Coronavorjahr lag die Arbeitslosigkeit bei 4,4 %.cite-ref-51[51]

FĂŒr die Stadt Radebeul selbst gilt, dass sie im Mai 2016 unter 5,0 % Arbeitslosigkeit kam, was statistisch als VollbeschĂ€ftigung gilt. Die Stadt war damit die erste sĂ€chsische Mittelstadt oder grĂ¶ĂŸer, die das Ziel der VollbeschĂ€ftigung erreicht hatte. Dabei ist sogar ein EinpendlerĂŒberschuss zu verzeichnen, d. h. mehr BeschĂ€ftigte pendeln nach Radebeul zur Arbeit als Radebeuler nach außerhalb zur Arbeit fahren.cite-ref-52[52]

Verkehr

Siehe auch

:

Liste der Straßen und PlĂ€tze in Radebeul

Die nĂ€chstgelegene Anschlussstelle Dresden-Neustadt zur Autobahn 4 befindet sich drei Kilometer östlich der Stadtgrenze. Am 12. Dezember 2011 wurde die neue StraßenbrĂŒcke Niederwartha freigegeben, die den Westen Radebeuls direkt mit der Bundesstraße 6 verbindet (Neubau Staatsstraße 84) und den Zugang zur Autobahn 4 ĂŒber die Anschlussstelle Dresden-Altstadt erleichtert. Die Meißner Straße, die Dresden mit Meißen verbindet, ist als Staatsstraße 82 gewidmet.

Radebeul, genauer gesagt Serkowitz mit seinem am 19. Juli 1838 eingeweihten Streckenendpunkt Weintraube, war eine der ersten Ortschaften in Deutschland, die einen Eisenbahnanschluss bekamen. Radebeul hat heute vier Bahnhöfe bzw. Haltepunkte (Radebeul Ost, Radebeul-Kötzschenbroda, Radebeul-Weintraube und Radebeul-Zitzschewig) an der Bahnstrecke Leipzig–Dresden. Eine S-Bahn-Linie der S-Bahn Dresden ĂŒber Coswig nach Meißen bedient alle vier Bahnhöfe, wobei in Weintraube von 2010 bis 2012 wegen Baumaßnahmen nicht gehalten wurde. Der Regional-Express ĂŒber Riesa nach Leipzig hĂ€lt dagegen nur in Radebeul Ost. Weiterhin gibt es den Haltepunkt Radebeul-Naundorf an der Bahnstrecke Berlin–Dresden, die die Elbe ĂŒber die EisenbahnbrĂŒcke Niederwartha ĂŒberquert.

Der Bahnhof Radebeul Ost ist Ausgangspunkt der schmalspurigen LĂ¶ĂŸnitzgrundbahn (auch LĂ¶ĂŸnitzdackel, Bahnstrecke Radebeul–Moritzburg–Radeburg), die am Kreuzungspunkt mit der Straßenbahnlinie 4 der Dresdner Verkehrsbetriebe noch den Haltepunkt Weißes Roß hat sowie im weiteren Verlauf kurz vor dem Haltepunkt LĂ¶ĂŸnitzgrund auf Reichenberger Grund wechselt. Die LĂ¶ĂŸnitzgrundbahn wird ausschließlich mit Dampflokomotiven betrieben. Die Straßenbahn wurde 1899 als schmalspurige Straßenbahnlinie LĂ¶ĂŸnitzbahn (1000 mm) errichtet und 1929/1930 auf die Dresdner Straßenbahn-Spurweite (1450 mm) umgespurt. Sie verbindet Radebeul sowohl mit Dresden als auch mit Coswig und Weinböhla.

Der nĂ€chstgelegene Flughafen ist der Flughafen Dresden im Nordwesten von Dresden, gut ĂŒber die Autobahn zu erreichen. Von dort fliegt unter anderem die Fluggesellschaft Lufthansa Cityline, die 2006 ein Flugzeug vom Typ Bombardier CRJ900 nach Radebeul benannt hat (D-ACKH).cite-ref-53[53]

Die SĂ€chsische Dampfschiffahrt auf der Elbe hĂ€lt am Anleger in Kötzschenbroda direkt unterhalb der Restauration „Zum Dampfschiff“, die im 19. Jahrhundert als Wartehalle fĂŒr die Passagiere begann. Ein kurzes StĂŒck flussauf des Anlegers liegt in der Elbe ein Hungerstein, der den Niedrigwasserstand von 1811 dokumentiert.

AnsÀssige Unternehmen

In Radebeul sind einige Industrieunternehmen ansĂ€ssig, so der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer AG – Werk Radebeul (ehemals Planeta) mit etwa 2300 Mitarbeitern. Das aus der 1898 gegrĂŒndeten Dresdner Schnellpressen-Fabrik (ab 1938 Planeta, ab 1948 VEB Polygraph Druckmaschinenwerk Planeta) hervorgegangene, im Industriegebiet Naundorf liegende, Werk ist innerhalb der Koenig & Bauer AG, des Ă€ltesten Druckmaschinenherstellers der Welt, komplett fĂŒr die Herstellung aller Bogenoffset-Druckmaschinen zustĂ€ndig. Mit einem Umsatz von 520 Millionen Euro war das Werk 2001 der grĂ¶ĂŸte Maschinenbaubetrieb in Ostdeutschland.cite-ref-stadtlexikon-24-3[24]

Im Januar 2000 wurde das Wirkstoff-Synthesewerk des AWD (ehemals Arzneimittelwerk Dresden, Chemische Fabrik v. Heyden) in Radebeul mit rund 200 BeschĂ€ftigten aus dem Unternehmen gelöst, direkt an Degussa-HĂŒls verkauft und 2004 von Hexal als eigenstĂ€ndiges Tochterunternehmen HEXAL Syntech GmbH ĂŒbernommen. Nach dem Hexal-Verkauf an Novartis verblieb die eigenstĂ€ndige Hexal Syntech bei der Jossa Arznei GmbH, einer Gesellschaft der ehemaligen Hexal-EigentĂŒmer Andreas und Thomas StrĂŒngmann, die sie 2020 an neue EigentĂŒmer in SĂŒdkorea verkauften. Die im Industriegebiet Radebeul liegende Unternehmung heißt heute arevipharma.

Die restliche AWD GmbH in der Leipziger Straße in Dresden (ehemals Gehe) wurde 2001 in AWD.pharma GmbH & Co. KG umfirmiert und im selben Jahr mit etwa 650 BeschĂ€ftigten durch den kroatischen Pharmakonzern Pliva ĂŒbernommen. Mit diesem zusammen ist AWD.pharma seit 2006 Teil des internationalen Generika-Herstellers Barr Pharmaceuticals. 2006 wurde die Arzneimittelproduktion im Dresdner Betriebsteil an die italienische Menarini-Gruppe verkauft, woraufhin der Sitz des traditionsreichen Pharmaunternehmens AWD.pharma 2007 in den Wasapark an der Meißner Straße in Radebeul verlegt wurde. Teile der AWD-Forschung in Radebeul (ehemaliges Biologisches Institut von Madaus) wurden in die selbststĂ€ndigen Forschungsgesellschaften elbion AG und MEDA Pharma ĂŒberfĂŒhrt.

In dem ehemals zum AWD gehörenden WerksgebĂ€ude an der Ecke Meißner Straße/Forststraße befindet sich ein MotorradgeschĂ€ft fĂŒr Harley-Davidson. Es gehört zu dem auf der anderen Straßenseite liegenden MehrmarkenhĂ€ndler Thomas Exclusive Cars, der die Automarken Rolls-Royce, Ferrari, Lamborghini, Bentley und Aston Martin anbietet. Als einer von fĂŒnf lizenzierten VertragshĂ€ndlern fĂŒr Rolls-Royce ist er fĂŒr den gesamten ostdeutschen Raum einschließlich Berlin zustĂ€ndig.

1902 grĂŒndete der Ingenieur Johannes Wilhelm Hofmann in Kötzschenbroda die erste „Fabrik fĂŒr elektrische Apparate“ in Europa zur Herstellung der von ihm erfundenen, patentierten Nietverbinder fĂŒr elektrische FreileitungsdrĂ€hte. 1912 exportierte das Unternehmen in 26 LĂ€nder weltweit. Unter dem Namen Elektroarmaturenwerk JWH entstand einer der grĂ¶ĂŸten Industriebetriebe der Region; die Produkte wurden in den 1920er Jahren weltweit exportiert.

1925 beteiligte sich Hofmann an der 1911 gegrĂŒndeten Firma von Richard Bergner RIBE Bayerische Schrauben- und Federnfabrik Schwabach. 1927, anlĂ€sslich des 25. FirmenjubilĂ€ums, erhielt Hofmann fĂŒr seine Verdienste die EhrenbĂŒrgerwĂŒrde der Stadt Kötzschenbroda. 1937 lieferte das Werk sĂ€mtliche in Deutschland benötigten Hochspannungsarmaturen sowie 75 % aller benötigten Verbindungsarmaturen. 1951/1952 wurde Hofmann aus der Unternehmensleitung verdrĂ€ngt und das Unternehmen in Radebeul enteignet. Hofmann siedelte nach NĂŒrnberg um und erteilte RIBE die exklusive Nutzung aller seiner Patente und Schutzrechte. Die DDR fĂŒhrte sein enteignetes Unternehmen als Hochspannungs-Armaturenwerk (HAW) weiter. Man produzierte neben Freileitungs- auch Fahrleitungsarmaturen fĂŒr die Deutsche Reichsbahn und Nahverkehrsbetriebe der DDR. 1991 wurde die Firma von der Richard Bergner Elektroarmaturen ĂŒbernommen und zur selbststĂ€ndig agierenden RIBE Elektroarmaturen Radebeul umfirmiert.

Das SĂ€chsische Staatsweingut GmbH Schloss Wackerbarth auf dem gleichnamigen Schloss in NiederlĂ¶ĂŸnitz prĂ€sentiert sich heute als Erlebnisweingut. Die Produktangebote erstrecken sich von Weißweinen und Rotweinen ĂŒber Sekte in klassischer FlaschengĂ€rung bis hin zu BrĂ€nden. Außerdem wird durch das Unternehmen die auf das Jahr 1836 zurĂŒckgehende Tradition der Sektkellerei Bussard gepflegt, die damit die zweitĂ€lteste Sektkellerei Deutschlands darstellt. Daneben wird die LĂ¶ĂŸnitz-Winzerei noch durch das stĂ€dtische Weingut HoflĂ¶ĂŸnitz sowie private WeingĂŒter vertreten.

Die Niederlassung Ost des Mobilfunkanbieters Vodafone D2, zustĂ€ndig fĂŒr den SĂŒdteil Ostdeutschlands, befindet sich ebenfalls in Radebeul.

Ferner kommen aus Radebeul Nudossi, der Haselnuss-Nougat-Brotaufstrich des Herstellers Vadossi, sowie Tees der Marke Teehaus der Teehaus GmbH, dem zweitgrĂ¶ĂŸten Produktionsstandort der weltweiten Teekanne-Gruppe.

Im Laufe der Radebeuler Industriegeschichte gab es viele weitere, zum Teil auch international erfolgreiche Unternehmen. So entstand 1920 die SĂ€chsische PrĂ€zisionswaagenfabrik Dresden, die 1927 nach Radebeul zog. Sie gab sich 1935 den Namen Rapido-Werke. Aufgrund steigender Exportzahlen wuchs sie bis auf 600 BeschĂ€ftigte, wurde aber nach Kriegsende demontiert. Als VEB WĂ€getechnik Rapido fusionierte sie 1970 mit der aus der 1898 gegrĂŒndeten Radebeuler Firma Maschinenfabrik Göhring & Hebenstreit, einem Waffelbackanlagenhersteller, hervorgegangenen VEB Spezial und produzierte ab 1982 auch Geldautomaten. 1989 war der Betrieb mit 1.400 BeschĂ€ftigten Teil des Kombinats Nagema. 1997 wurde das Unternehmen von der im Westen von einem der GrĂŒndersöhne aufgebauten Firma Hebenstreit ĂŒbernommen und zur Hebenstreit-Rapido GmbH umfirmiert.

Die Dresdner Werkzeugmaschinenfabrik C. Richard Auerbach verlegte 1885 seine Schlosserei von Dresden nach Kötzschenbroda. Es wurden Reibemaschinen, Schneidmaschinen und MohnmĂŒhlen hergestellt. Folgefirmen bauten elektrische Lichtanlagen, Kraftanlagen und Dampfturbinen. 1991 grĂŒndete ein Radebeuler Einzelunternehmer den Edelstahl-Anlagenbau Tristan Köhler als Nachfolgefirma.

Die Schaumaplast Sachsen und die Schaumaplast Isolierstoffe sind die Nachfolgefirmen der 1885 von Bruno Bergmann (1843–1929) in Dresden gegrĂŒndeten Feinseifen- und ParfĂŒmfabrik Bergmann & Co., auch „Seifen-Bergmann“ genannt, die 1890 nach Radebeul in die Hellerstraße umzogen. Der Hoflieferant feiner Seifen mit dem Steckenpferd-Signet belieferte mit seinen Produkten, allen voran die Steckenpferd-Lilienmilchseife, nicht nur inlĂ€ndische Abnehmer, sondern ĂŒber seine Niederlassungen in Arnheim, BrĂŒssel, Tetschen, Warschau und ZĂŒrich auch auslĂ€ndische Kunden. Nach mehr als 200 Mitarbeitern in den 1920er Jahren wurde das Unternehmen 1950 enteignet und 1954 zum weiter exportorientierten VEB Steckenpferd umgewandelt. Anfang 1958 beschloss die Belegschaft, den Plan mit 100.000 US-Dollar ĂŒberzuerfĂŒllen, um das Geld zum Kauf eines gebrauchten Handelsschiffs zu spenden. Aus dieser Initiative wurde die DDR-weite Steckenpferd-Bewegung, der sich etwa 1600 weitere Betriebe anschlossen und die um 1960 zahlreiche FrachtschiffskĂ€ufe ermöglichte. 1965/1966 wurde der Betrieb schrittweise von der Seifenproduktion auf die Herstellung von Isolier- und Verpackungsmaterialien aus Polystyrol umgestellt und spĂ€ter als Betriebsteil dem Preßwerk Ottendorf-Okrilla angegliedert. Nach dessen Abwicklung 1991 kam der Radebeuler Betrieb zur Schaumaplast GmbH in Reilingen.

Seit 2003 ist im Naundorfer Industriegebiet mit der Firma unitedprint.com SE (print24) eine Online-Druckerei ansĂ€ssig, die als Neueinrichtung nach Aufgabe des 2002 in Meißen ĂŒberfluteten MDH Meißener Druckhauses entstand. Die als Europa-AG organisierte Firma betreibt nach eigenen Angaben mittlerweile Niederlassungen in 22 LĂ€ndern und beschĂ€ftigt mehr als 500 Mitarbeiter.cite-ref-54[54]

Auf dem GrundstĂŒck schrĂ€g gegenĂŒber firmiert die Ellerhold Gruppe, ein bereits 1987 bei NĂŒrnberg gegrĂŒndeter Hersteller von Druckerzeugnissen fĂŒr die Innenwerbung wie auch mit Großplakaten fĂŒr die Außenwerbung, fĂŒr Kartons, Verpackungen und Etiketten. Auch dieser ist mit zahlreichen Vertriebs- und Produktionsstandorten in zahlreichen europĂ€ischen LĂ€ndern vertreten.

Der Logistikdienstleister Hasse Transport ist seit 1894 in Altlindenau ansĂ€ssig. Das Unternehmen ist in den Bereichen Nah- und Fernverkehr, Containerdienst, SchĂŒttguttransport, Kanalreinigung, Tiefbau und Abriss tĂ€tig. Die etwa 80 Mitarbeiter arbeiten von den zwei Standorten in Lindenau und Kötzschenbroda aus.

Der Fernsehsender MyTVplus hat seinen Ursprung in Radebeul und ist sachsenweit in Kabelnetzen empfangbar.

Insgesamt gibt es etwa 2.600 eingetragene Gewerbeunternehmen.

Ehemalige Unternehmen

Die Chemische Fabrik v. Heyden in Radebeul war die weltweit erste Arzneimittelfabrik, die in industriellem Maßstab die Produktion eines Arzneimittelstoffes, der SalicylsĂ€ure, durchfĂŒhrte.cite-ref-stadtlexikon-24-4[24] Sie wurde 1874 von dem Chemiker Friedrich von Heyden in der Meißner Straße 35 aufgebaut. Sie entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Chemieunternehmen Sachsens und war gleichzeitig der Beginn der Industrialisierung Radebeuls. Viele bekannte und erfolgreiche Chemiker arbeiteten dort. Nach der Enteignung 1948 wurde das Unternehmen am 1. Januar 1961 in das VEB Arzneimittelwerk Dresden eingegliedert.

Von 1929 bis 1945 hatte die Firma Madaus ihren Stammsitz in Radebeul. WĂ€hrend dieser Zeit wurde das das Immunsystem stimulierende Echinacin eingefĂŒhrt. Am 1. April 1951 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg enteignete und verstaatlichte Stammhaus der Arzneimittelfabrik Dr. Madaus & Co mit dem enteigneten Dresdner Stammhaus der Gehe & Co. zum VEB Arzneimittelwerk Dresden zusammengelegt.

Mit der Integration der Chemischen Werke Radebeul (ehemalige Chemische Fabrik v. Heyden) 1961 in das Arzneimittelwerk Dresden entstand einer der grĂ¶ĂŸten Arzneimittelhersteller der DDR mit etwa 3.000 BeschĂ€ftigten. 1970 wurde das Unternehmen zum Kombinat erhoben und 1979 zum Stammbetrieb des neugegrĂŒndeten VEB Pharmazeutisches Kombinat Germed. Das Arzneimittelwerk Dresden war das Zentrum der Arzneimittelforschung der DDR, Ende der 1980er Jahre gehörten 13 Betriebsteile mit etwa 3600 BeschĂ€ftigten dazu. Bis 1989 wurden 27 Originalentwicklungen auf den Markt gebracht. 1990 wurde das Arzneimittelwerk Dresden in die AWD GmbH umgewandelt und 1991 an ASTA Medica verkauft. In den Folgejahren konnte der Synthesestandort Radebeul (Meißner Straße, ehemals v. Heyden) erhalten werden, AWD wurde Forschungs- und Produktionsstandort der ASTA Medica in Deutschland. Gleichzeitig wurden 10 der 13 Betriebsteile stillgelegt, so auch das ehemalige Madaus-Werk in der Radebeuler Gartenstraße, und die Zahl der BeschĂ€ftigten sank bis Ende der 1990er Jahre auf etwa 900. Mit der Fusion der Degussa-HĂŒls AG im Jahr 1999 und ihrer Konzentration auf Spezialchemie begann die Trennung von ASTA Medica und die Zerlegung der AWD in mehrere Folgeunternehmen.

1892 bekam der Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz die Genehmigung zur Eröffnung des Bilz-Sanatoriums, das die Wehrmacht wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges beschlagnahmte und als Reservelazarett umwidmete. Nach dem Krieg wurde das GebĂ€ude u. a. als Finanzschule und Institut fĂŒr Lehrerbildung genutzt. Jetzt dient es zu Wohnzwecken.

Mit der 1890 gegrĂŒndeten Radebeuler Maschinenfabrik August Koebig gab es in Radebeul einen weiteren Druckmaschinenhersteller, der nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Namen VEB Ramasch zum wichtigsten Zulieferbetrieb der polygrafischen und papierverarbeitenden Industrie der DDR wurde. 1968 erfolgte die Übernahme durch das ebenfalls in Radebeul ansĂ€ssige VEB Polygraph Druckmaschinenwerk Planeta (heute Koenig & Bauer AG – Werk Radebeul).

Die Sektkellerei Bussard wurde 1836 als Fabrik fĂŒr moussirende Weine gegrĂŒndet, die zweitĂ€lteste Sektkellerei Deutschlands. SpĂ€ter nannte sich die Firma NiederlĂ¶ĂŸnitzer Champagnerfabrik, bevor aus ihr 1897 die Sektkellerei Bussard wurde. Ab 1978 wurde die Sektproduktion nur noch auf dem GelĂ€nde von Schloss Wackerbarth betrieben, da das dort verwendete TankgĂ€rverfahren produktiver als die FlaschengĂ€rung war. SpĂ€ter erwarb Schloss Wackerbarth die Rechte an Bussard.

Die ehemalige Kaffeesurrogatfabrik Otto E. Weber war ein international ausgezeichneter Hersteller von KaffeegewĂŒrzen und WĂŒrfeltee. Das im 19. Jahrhundert gegrĂŒndete Unternehmen wurde 1937 „arisiert“ und 1946 enteignet. 1952 wurde es mit dem ebenfalls enteigneten Stammhaus der heutigen Teekanne-Gruppe zur heutigen Teehaus GmbH zwangsfusioniert.cite-ref-55[55]

Die 1868 von Gustav Schmidt in Dresden gegrĂŒndete Fertigung fĂŒr NĂ€hmaschinenschiffchen verlegte 1897 den Firmensitz nach Kötzschenbroda. Anfang des 20. Jahrhunderts war diese Firma zeitweise das grĂ¶ĂŸte Industrieunternehmen des heutigen Radebeul. 1918 erfolgte die Fusion mit einem Dresdner Konkurrenzunternehmen zur NĂ€hmaschinenteile AG (Produktmarke NĂ€hmatag GS). 1935 waren in der Kötzschenbrodaer Fabrik zirka 1000 BeschĂ€ftigte hauptsĂ€chlich fĂŒr den Export angestellt. Nach Zwangsverwaltung, Demontage und Neuanfang 1946 konzentrierte sich der Betrieb als Werk 2 des VEB NĂ€hmaschinenteilewerke Dresden („Schiffchenfabrik“) ganz auf Teile fĂŒr IndustrienĂ€hmaschinen. 1990 wurde das Unternehmen von der Treuhandanstalt stillgelegt.

1887 wurde im Radebeuler Fabrikbezirk unter der Adresse Meißner Straße 1–15 die Metallplakate-Fabrik und PrĂ€geanstalt Saupe & Busch gegrĂŒndet, die als Verpackungshersteller bis zur Jahrhundertwende kontinuierlich wuchs. 1907 wurde sie, nach dem Bankrott ihres Besitzers Richard Busch, durch die neugegrĂŒndeten Union-Werke aufgenommen. Bis 1913 wuchs das Unternehmen mit ĂŒber 1.000 BeschĂ€ftigten zum zweitgrĂ¶ĂŸten Arbeitgeber der Region an. Zwischen der Dresdner Stadtgrenze und der heutigen Autobahn gelegen, betrug die ĂŒberbaute BetriebsflĂ€che etwa einen Hektar. Das Produktionsprogramm in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts bestand aus Blechverpackungen (Emballagen), Schildern sowie Plakaten und Werbetafeln unter anderem fĂŒr 35 deutsche Brauereien. Nach 1945 wurde die Aktiengesellschaft enteignet, demontiert und dann als Volkseigener Betrieb Union-Emballagen- und Emaillierwerk bis Mitte der 1950er Jahre weitergefĂŒhrt. Die meisten BetriebsgebĂ€ude wurden damals schon fremdgenutzt und ab 1990 teilweise abgerissen.

Am 2. Juni 1896 wurden die Radebeuler Guss- und Emaillier-Werke gegrĂŒndet. Die Werke gingen aus der seit 1876 bestehenden Firma GebrĂŒder Gebler hervor. Um 1910 wurden 3000 Tonnen Eisen verarbeitet. 1951 gab es 700 BeschĂ€ftigte. Das Werk wurde 1970 stillgelegt.

Die 1907 in Radebeul gegrĂŒndete Waffelfabrik Haubold & Richter stellte Waffeln, Lebkuchen und Zwieback her. Sie bezog ihre Maschinen von der Maschinenfabrik Göhring & Hebenstreit. 1993 wurde der inzwischen zur Dauerbackwaren GmbH umfirmierte Betrieb von Bahlsen ĂŒbernommen und stillgelegt.

Der VEB Zerkleinerungsmaschinen ZERMA war der einzige DDR-Betrieb, der Maschinen zur Verkleinerung von Plastik herstellte. Das Werk gab es von der PrivatgrĂŒndung in den 1950ern bis zum Konkurs 1995. In den 1980er Jahren waren dort 120 Mitarbeiter beschĂ€ftigt.

Die Radebeuler Schuhfabrik (Raschufa) entwickelte sich in den 1930er Jahren zum grĂ¶ĂŸten Hersteller von Stoffschuhen in Deutschland. 1925 zog sie von Dresden-Gruna nach OberlĂ¶ĂŸnitz in die Villa Moritz Hermann Schmidt und 1933 von dort in die Gartenstraße 70–72 im Radebeuler Fabrikbezirk. 1958 wurden als Höchstleistung 2,16 Millionen Paar Schuhe („Damenstraßenschuhe aus Austauschstoffen“) pro Jahr produziert. Die Fabrik existierte von 1916 bis zu ihrer Auflösung durch Liquidation 1993. Zu DDR-Zeiten gehörte der Betrieb VEB Radebeuler Schuhfabrik zum Kombinat Schuhe.

Ab 1924 war, nach dem Beitritt des Gemeindeverbands ElektrizitĂ€tswerk NiederlĂ¶ĂŸnitz im Jahr 1920, in NiederlĂ¶ĂŸnitz der Sitz des ElektrizitĂ€tsverbands Gröba, der sich statt des Verwaltungssitzes auf dem Rittergut Gröba ein neues VerwaltungsgebĂ€ude im Körnerweg 5 errichtete. Dieses wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Sitz der sowjetischen Kommandantur und spĂ€ter des VEB Energiebau. Der ElektrizitĂ€tsverband ging im Energiekombinat Ost auf.

Erfindungen

Der Chemiker Friedrich von Heyden, bekannt mit Hermann Kolbe, entdeckte die antiseptischen Eigenschaften von SalicylsĂ€ure (Aspirin) und entwickelte ein Verfahren zur chemisch reinen Herstellung des Wirkstoffs. Er grĂŒndete 1874 die Chemische Fabrik v. Heyden.

Der Chemiker Richard Seifert (1861–1919) war bereits als Assistent des Professors Rudolf Schmitt wesentlich an der Entwicklung der SalicylsĂ€uresynthese beteiligt. SpĂ€ter wohnhaft in Radebeul und Direktor der dort ansĂ€ssigen Chemischen Fabrik v. Heyden, entwickelte er 1891/1892 die Rezeptur fĂŒr Odol und ĂŒberließ sie seinem Freund, dem Dresdner Unternehmer Karl August Lingner, zur Vermarktung. Seine bahnbrechenden Arbeiten trugen ihm den Beinamen „Chemiker von Gottes Gnaden“cite-ref-stadtlexikon-24-5[24] ein.

Der Radebeuler Chemiker Richard MĂŒller (1903–1999) arbeitete in der Chemischen Fabrik v. Heyden. WĂ€hrend seiner Forschungen gelang ihm 1941 die technische Herstellung von Methylchlorsilanen, die Ausgangsprodukte fĂŒr die Herstellung der Silikone sind. Seitdem gilt er als Vater der Silikone. 1951 erhielt er den Nationalpreis der DDR. Da unabhĂ€ngig von ihm der US-amerikanische Chemiker Eugene G. Rochow das gleiche Verfahren entwickelte, wird es heute MĂŒller-Rochow-Synthese genannt.

Der Kaufmann Gerhard Meyer (1910–1971) ließ sich im MĂ€rz 1950 ein neuartiges Verfahren zur Herstellung luftgefĂŒllter BĂ€lle patentieren.

Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer AG – Werk Radebeul (ehemals Planeta) meldet heutzutage pro Jahr etwa 60 bis 100 Patente an. Dabei leitet sich der ehemalige Name Planeta von der bereits 1902 patentierten Erfindung des Planetengetriebes als Vorrichtung zur Bewegung des Druckfundamentes von Buchdruckschnellpressen her. Weitere Erfindungen und Entwicklungen waren beispielsweise die Schnellpresse mit Tischfarbwerk (1922), die Aggregatbauweise fĂŒr Offsetanlagen (1960er Jahre) oder die lĂ€ngste Bogenoffsetmaschine der Welt mit zehn Druckwerken (1986).

Medien

In Radebeul sind mit der SĂ€chsischen Zeitung (SZ) und den Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN) zwei Tageszeitungen mit Lokalteil beziehungsweise regionalen Nachrichten erhĂ€ltlich. Zu den regionalen Periodika gehört die in Radebeul erscheinende Monatszeitschrift Vorschau & RĂŒckblick.

Zwischen 1865 und 1941 erschien die Kötzschenbrodaer Zeitung, zwischen 1871 und 1943 das Radebeuler Tageblatt. Beide Zeitungen dienten in ihrem Ausgabebereich auch jeweils als Amtsblatt. Zwischen 1949 und 1980 war Radebeul der Redaktionssitz der evangelischen Wochenzeitung Der Sonntag.

Heute ist Radebeul der Sitz des Notschriftenverlags. DarĂŒber hinaus war Radebeul ab 1947 der Verlagssitz des renommierten Neumann Verlags, in dem zahlreiche Werke zur Natur, Tier- und Pflanzenwelt sowie zum Garten erschienen, und Sitz des 1888 gegrĂŒndeten Bilz-Verlags, der sich insbesondere um die Vermarktung des Bilzbuchs kĂŒmmerte. Um den schriftstellerischen Nachlass von Karl May kĂŒmmerte sich der Karl-May-Verlag.

Radebeul TV ist ein lokaler Fernsehsender mit Nachrichten aus Radebeul und Umgebung, der ĂŒber ein örtliches Kabelnetz empfangen werden kann. Der Sender ist vom Medienrat der SĂ€chsischen Landeszentrale fĂŒr privaten Rundfunk und neue Medien seit dem 19. August 2013 zugelassen.

Gesundheitswesen

Die Geschichte des Elblandklinikums Radebeul geht bis ins 19. Jahrhundert zurĂŒck. In NiederlĂ¶ĂŸnitz war es ein 1822 gegrĂŒndeter Verein fĂŒr Heilwesen und Naturkunde, der im so genannten Steinernen Haus 1849 die Krankenanstalt zu NiederlĂ¶ĂŸnitz eröffnete. Das denkmalgeschĂŒtzte GebĂ€ude ist heute noch Bestandteil des Krankenhauses. Es wurde vor einigen Jahren umfassend saniert. Im Jahr 2002 schloss sich Radebeul mit dem Kreiskrankenhaus Meißen zu den Elblandkliniken Meißen-Radebeul zusammen. Beide HĂ€user sind seit 2008 Teil der kommunalen Klinikengruppe Elblandkliniken. Das Elblandklinikum Radebeul verfĂŒgt ĂŒber 345 Betten.

Öffentliche Einrichtungen

KindertagesstÀtten

Es gibt acht stÀdtische KindertagesstÀtten und 18 Einrichtungen von zehn freien TrÀgern, darunter befindet sich das unter Denkmalschutz stehende Mohrenhaus, das vom Deutschen Kinderschutzbund betrieben wird.

Feuerwehren

Bereits 1734 wurden in Kötzschenbroda ein auf Kufen montierter Wassertrog und 1750 eine Schlauchspritze als FeuerlöschgerĂ€t angeschafft. Aufgrund der fĂŒr Kursachsen 1775 eingefĂŒhrten Dorffeuerverordnung folgten die anderen Radebeuler Ursprungsgemeinden Anfang des 19. Jahrhunderts. 1864 ging in Kötzschenbroda aus dem Turnerverein die sogenannte Turnerfeuerwehr als ausrĂŒstungslose Hilfsmannschaft hervor. 1875 kam es dort zur GrĂŒndung der ersten offiziellen Freiwilligen Feuerwehr in einer LĂ¶ĂŸnitzgemeinde, alle anderen Gemeinden folgten bis Anfang des 20. Jahrhunderts, Lindenau und Zitzschewig jedoch erst 1921. Heute gibt es fĂŒnf Freiwillige Feuerwehren in Naundorf und Wahnsdorf, Lindenau sowie Radebeul-West und Radebeul-Ost mit zusammen etwa 150 aktiven Mitgliedern. Die inzwischen geschlossene Wache in Naundorf und die kleine Wache in Kötzschenbroda wurden in einer 2008 bezogenen Rettungszentrale als Feuerwache Radebeul-West zusammengelegt. Die gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk auf einer KonversionsflĂ€che (ehemaliges Tanklager der sowjetischen StreitkrĂ€fte) neuerbaute Feuerwache erhielt im Jahr 2008 den Radebeuler Bauherrenpreis in der Kategorie Neubau.cite-ref-56[56]

2012 bekam die Freiwillige Feuerwehr Radebeul eine Ehrenfahne. Die Anschaffungskosten beliefen sich auf rund 12.000 €, die mit Hilfe von ĂŒber 100 Spendern finanziert werden konnten. Die Fahnenweihe fand am 8. November 2012 statt. Als Schirmherr diente der LandtagsprĂ€sident RĂ¶ĂŸler. Die Fahne wird zurzeit in einer Vitrine im Rathaus aufbewahrt.cite-ref-57[57]

Hinzu kommt die 1897 gegrĂŒndete Werkwehr der ehemaligen Chemischen Fabrik v. Heyden (spĂ€ter Arzneimittelwerk Dresden), die 1995 als offizielle Werkfeuerwehr anerkannt wurde. In den 2000er Jahren ĂŒbernahm Securitas Sicherheitsdienste neben dem Werkschutz auch die Feuerwehr als Securitas Fire Control Radebeul. Heute firmiert diese als Werkfeuerwehr Arevipharma GmbH Radebeul und gehört als eines von elf Mitgliedern dem Werkfeuerwehrverband Sachsen an.cite-ref-58[58]

Technisches Hilfswerk

Das Technische Hilfswerk (THW) hat in Radebeul einen Ortsverband, der nach seinem Umzug ebenfalls im Rettungszentrum Radebeul-West untergebracht ist.

Bildung

Siehe auch

:

Liste von historischen Schulen in Radebeul

In Radebeul gibt es sechs Grundschulen, jeweils eine in NiederlĂ¶ĂŸnitz, Kötzschenbroda, OberlĂ¶ĂŸnitz und Naundorf, die Grundschule „F. Schiller“ sowie die Evangelische Grundschule, auch in Kötzschenbroda. Anschließend können die Kinder die Oberschule in Radebeul-Mitte (im Roseggerhaus) oder diejenige in Kötzschenbroda besuchen beziehungsweise eines von zwei Gymnasien, das Gymnasium Luisenstift oder das LĂ¶ĂŸnitzgymnasium im denkmalgeschĂŒtzten Steinbachhaus.

Weiter steht in Radebeul die Förderschule G zur VerfĂŒgung sowie das Berufliche Schulzentrum Radebeul.

In Radebeul befindet sich eine Musikschule des Landkreises Meißen, die Volkshochschule Radebeul e. V. und die Jugendkunstschule im Landkreis Meißen e. V. – Außenstelle Radebeul im Grundhof.

Neben dem Familienzentrum Radebeul finden sich drei Bibliotheken, die Stadtbibliothek in Radebeul-West und die in Radebeul-Ost (auch „Erlebnisbibliothek“ im Bahnhof Radebeul-Ost), sowie die Bibliothek im Familienzentrum.

Das SĂ€chsische Staatsministerium fĂŒr Kultus hat in Radebeul eine nachgeordnete Behörde, das SĂ€chsische Bildungsinstitut, ehemals Comenius-Institut.


Persönlichkeiten

→

Hauptartikel

:

Liste von Persönlichkeiten der Stadt Radebeul

,

Liste von Söhnen und Töchtern der Stadt Radebeul

und

Liste der EhrenbĂŒrger von Radebeul

→

Hauptartikel

:

KĂŒnstler an den LandesbĂŒhnen Sachsen

Am bekanntesten unter den die Stadt Radebeul reprĂ€sentierenden Persönlichkeiten ist der Schriftsteller Karl May, welcher zusammen mit seiner Frau und Universalerbin Klara lange Jahre in Radebeul lebte. Seine Villa beherbergt heute das Karl-May-Museum. Die Mays wurden auf dem Friedhof Radebeul-Ost beigesetzt. Mit den Mays waren auch deren Verleger Euchar Albrecht Schmid und dessen Sohn Lothar Schmid verbunden, der neben dieser TĂ€tigkeit insbesondere als Schachgroßmeister und „Schachschiedsrichter des Jahrhunderts“ bekannt wurde.

In Radebeul, vor allem in den beiden LĂ¶ĂŸnitzorten Ober- und NiederlĂ¶ĂŸnitz, lebten und leben viele Kunstschaffende, derzeit allein ĂŒber 60 Bildende KĂŒnstler. Dazu gehören zahlreiche Maler wie zum Beispiel Paul Wilhelm, der 1956 die EhrenbĂŒrgerwĂŒrde der Stadt verliehen bekam, Karl Mays Freund Selmar Werner, Erhard Hippold (MeisterschĂŒler von Max Feldbauer) oder seine Frau Gussy Hippold-Ahnert (MeisterschĂŒlerin von Otto Dix). Zu nennen sind weiterhin der Bildhauer Burkhart Ebe, Schriftsteller wie der Dramatiker Gerhart Hauptmann und sein Bruder Carl Hauptmann, die beide ihre Ehefrauen Marie und Martha Thienemann im Radebeuler Hohenhaus kennenlernten, und Schriftstellerinnen wie Wilhelmine Heimburg sowie der international bekannte Puppenspieler Carl Schröder.

Weitere bekannte Persönlichkeiten sind der sĂ€chsische Feldmarschall und Geheime Kabinettsminister August Christoph von Wackerbarth, aber auch seine adligen Zeitgenossen wie Johann Georg von Rechenberg, Heino Heinrich von Flemming oder Christoph Vitzthum von EckstĂ€dt. Die LĂ¶ĂŸnitz-Ortschaften wurden geprĂ€gt durch Persönlichkeiten wie Augustin Prescher, der in Kötzschenbroda mehr als 50 Jahre Pfarrer war und in dieser Zeit als Gastgeber der Waffenstillstandsverhandlungen von Kötzschenbroda zwischen Sachsen und Schweden half, den Menschen etwas Frieden zu geben. Zu Prescher kam auch sein KurfĂŒrst Johann Georg I., wenn er auf seiner HoflĂ¶ĂŸnitz weilte wie zu anderen Zeiten August der Starke, und musste sich dann bisweilen entsprechende Predigten anhören.

Zu nennen sind aber auch der Naturkundler Friedrich Eduard Bilz, der Verkehrswissenschaftler Harald Kurz oder der ehemalige FDP-Bundesminister Wolfgang Mischnick. In Radebeul lebten mehrere sĂ€chsische MinisterprĂ€sidenten wie zum Beispiel Wilhelm Buck, Alfred Fellisch, Wilhelm BĂŒnger und Kurt Biedenkopf. Heute leben in der Stadt unter anderem der Schauspieler Friedrich-Wilhelm Junge, der Kunsthistoriker Heinrich Magirius und der evangelische Landesbischof, Jochen Bohl.

Einen der beiden Schwerpunkte der industriellen Geschichte, neben dem Druckmaschinenhersteller Planeta, bildete die Chemische Fabrik v. Heyden (spĂ€ter AWD) mit ihrem GrĂŒnder Friedrich von Heyden und seinen Chemikern und Nachfolgern wie beispielsweise Hermann Kolbe, Rudolf Schmitt, Richard Seifert und Richard MĂŒller.

Die GrĂŒnder der familiengefĂŒhrten Baufirma „GebrĂŒder Ziller“, die aus der Baumeisterfamilie Ziller stammten, haben das heutige Aussehen Radebeuls wesentlich mitbeeinflusst. Zum Dank wurde 1898 das Moritz-Ziller-Denkmal im LĂ¶ĂŸnitzgrund errichtet.

Im Bereich des Sports sind einige bei Welt- und Europameisterschaften Erfolgreiche zu nennen: So der Kanute Robert Nuck, die Ruderin Annegret Strauch und der Sledge-Eishockey-Nationalspieler Frank Rennhack; dazu kommen der Voltigierer Erik Oese und die Leichtathletin Angelika Handt verh. Kahl. Auch die dreifache DDR-Meisterin im Weitsprung Kristina Albertus sollte nicht fehlen. Neben den bisherigen ist auch die Shorttrackerin Yvonne Kunze als Olympiamedaillengewinnerin zu erwÀhnen.

Radebeul ist auch Geburtsort einer fiktiven Person: Der Lebenslauf des 1766 dort angeblich geborenen Publizisten und Schriftstellers Carl August von Schimmelthor wurde in der Deutschen Biographischen EnzyklopÀdie veröffentlicht, ohne dass bisher Quellen dessen Existenz belegen können.

Literatur

‱ Annette Karnatz (Red.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch fĂŒr die LĂ¶ĂŸnitz. Hrsg.: Große Kreisstadt Radebeul. 3. ĂŒberarbeitete und ergĂ€nzte Auflage. Radebeul 2021, ISBN 978-3-938460-22-1.
‱ Dresdner Geschichtsverein (Hrsg.): Kulturlandschaft LĂ¶ĂŸnitz-Radebeul. (= Dresdner Hefte Nr. 54), Verlag Dresdner Geschichtsverein, Dresden 1998, ISBN 3-910055-44-3 (Inhaltsverzeichnis Heft 54).
‱ Volker Helas (Bearb.): Stadt Radebeul. Hrsg.: Landesamt fĂŒr Denkmalpflege Sachsen, Große Kreisstadt Radebeul (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen). Sax-Verlag, Beucha 2007, ISBN 978-3-86729-004-3.
‱ JĂŒrgen Helfricht: Kleines Radebeul-ABC. Husum-Verlag, Husum 2014, ISBN 978-3-89876-634-0.
‱ JĂŒrgen Helfricht: Radebeul von oben. Die Garten-, Villen- und Rebenstadt aus der Vogelschau. Notschriften-Verlag, Radebeul 2021, ISBN 978-3-948935-02-3.
‱ JĂŒrgen Helfricht: Zauberhaftes Radebeul. Silhouetten der Wein-, Villen- und Gartenstadt. Husum-Verlag, Husum 2018, ISBN 978-3-89876-843-6.
‱ Ingrid Lewek; Wolfgang Tarnowski: Juden in Radebeul 1933–1945. Erweiterte und ĂŒberarbeitete Ausgabe. Große Kreisstadt Radebeul/Stadtarchiv, Radebeul 2008, ISBN 978-3-938460-09-2.
‱ Moritz Eduard Lilie: Chronik der LĂ¶ĂŸnitz-Ortschaften Kötzschenbroda, NiederlĂ¶ĂŸnitz, Radebeul, OberlĂ¶ĂŸnitz mit HoflĂ¶ĂŸnitz, Serkowitz, Naundorf, Zitzschewig und Lindenau mit besonderer BerĂŒcksichtigung von Coswig und der ĂŒbrigen Nachbarorte. NiederlĂ¶ĂŸnitz 1893 (Digitalisat).
‱ Gottfried Thiele: Radebeul. In: Die Reihe Archivbilder. Sutton Verlag, Erfurt 1997, ISBN 3-89702-006-8.
‱ Gottfried Thiele: Radebeul. 1949–1989. In: Die Reihe Bilder aus der DDR. Sutton Verlag, Erfurt 2002, ISBN 3-89702-490-X (books.google.de).
‱ Liselotte Schließer: Radebeul in alten Ansichten. 2000, ISBN 90-288-5418-5.
‱ verein fĂŒr denkmalpflege und neues bauen radebeul (Hrsg.): BeitrĂ€ge zur Stadtkultur der Stadt Radebeul. Radebeul (ab 1997).
‱ Radebeuler Monatshefte e. V. (Hrsg.): Vorschau und RĂŒckblick. Monatsheft fĂŒr Radebeul und Umgebung. (vorschau-rueckblick.de).

Weblinks

Commons

: Radebeul

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Commons

: Bombardier CRJ-900 Lufthansa CityLine (D-ACKH)

– Sammlung von Bildern

Wiktionary: Radebeul

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Offizielle Internetseite der Stadt Radebeul. Stadtverwaltung Radebeul, abgerufen am 24. Juli 2018.
‱ Radebeul im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
‱ GeoPortal des Landkreises Meißen
‱ Internetseite des vereins fĂŒr denkmalpflege und neues bauen radebeul mit vielen Informationen zu Kultur, Bauten, Bauherrenpreis, Tag des offenen Denkmals, DenkmĂ€lern etc.
‱ SĂ€mtliche Fotos und Scans zu Radebeul bei der Deutschen Fotothek

Einzelnachweise

cite-note-metadaten-einwohnerzahl-de-sn-11. Bevölkerung der Gemeinden Sachsens am 31. Dezember 2024 – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus vom 15. Mai 2022 (Gebietsstand 01.01.2024). Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 4. Juli 2025. (Hilfe dazu).
cite-note-stadtlexikon146-22. ↑ Frank Andert (Red.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch fĂŒr die LĂ¶ĂŸnitz. Hrsg.: Stadtarchiv Radebeul. 2., leicht geĂ€nderte Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9, S. 146.
cite-note-33. ↑ Sonnenscheindauer, Mittelwerte der Periode 1961 bis 1990 (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive) (ZIP; 42 kB).
cite-note-44. ↑ Radebeuler Amtsblatt 05/2022, S. 4.
cite-note-denkmaltopo-55. ↑ Landesamt fĂŒr Denkmalpflege Sachsen und Stadt Radebeul (Hrsg.): Stadt Radebeul. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen
cite-note-66. ↑ laut Einleitung zum Adressbuch fĂŒr das Jahr 1941: Adreßbuch fĂŒr die Stadt Radebeul; mit den Stadtteilen Kötzschenbroda mit FĂŒrstenhain, Lindenau, Naundorf, NiederlĂ¶ĂŸnitz, OberlĂ¶ĂŸnitz mit HoflĂ¶ĂŸnitz, Radebeul, Serkowitz, Wahnsdorf und Zitzschewig. Adreßbuch-Verlag der Dr. GĂŒntzschen Stiftung, Dresden 1941.
cite-note-77. ↑ Jana Simon: Über den DĂ€chern von Radebeul. In: Die Zeit. 10. Dezember 2009, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 25. Juni 2025]).
cite-note-88. ↑ Stefan Koch, Michael Strobel, Thomas Gerlach (Zusammenst.): Radebeul archĂ€ologisch. In: verein fĂŒr denkmalpflege und neues bauen radebeul (Hrsg.): BeitrĂ€ge zur Stadtkultur der Stadt Radebeul. Radebeul 2009, S. 28.
cite-note-99. ↑ Rolf Jehke: Stadtkreis Radebeul. In: Territoriale VerĂ€nderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874–1945. 6. Februar 2007, abgerufen am 5. August 2015.
cite-note-1010. ↑ Ursula Martin: Meine Jahre in der Heimburg. In: Vorschau & RĂŒckblick; Monatsheft fĂŒr Radebeul und Umgebung. Radebeuler Monatshefte e. V., Juli 2010, abgerufen am 4. Juli 2011.
cite-note-1111. ↑ StadtjubilĂ€um – Festprogramm. Stadtverwaltung Radebeul, 26. Februar 2010, abgerufen am 5. August 2015.
cite-note-1212. ↑ Testballon fĂŒr CDU-AfD-Kooperation in Sachsen? „Entsetzen in Radebeul und deutschlandweit“. In: tagesspiegel.de, erschienen am 28. Mai 2020, abgerufen am 31. Mai 2020.
cite-note-1313. ↑ Radebeul bekommt Kulturamtsleiterin: Lorenz gewĂ€hlt. In: freiepresse.de vom 15. Juni 2020, abgerufen am 16. Juni 2020.
cite-note-1414. ↑ laut Digitalem Historischem Ortsverzeichnis fĂŒr Sachsen: FĂŒrstenhain (1), Kötzschenbroda (2), Lindenau (0), Naundorf (0), NiederlĂ¶ĂŸnitz (1), OberlĂ¶ĂŸnitz (zusammen mit NiederlĂ¶ĂŸnitz), Radebeul (1), Serkowitz (1), Wahnsdorf (1), Zitzschewig (1)
cite-note-1515. ↑ NiederlĂ¶ĂŸnitz im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
cite-note-1616. ↑ laut Digitalem Historischem Ortsverzeichnis fĂŒr Sachsen: in Kötzschenbroda (86,515,26,784), OberlĂ¶ĂŸnitz (12,71,3,155), Radebeul (43,456,19,929), Wahnsdorf (4,11,0,56)
cite-note-172. Datenbank Zensus 2011, Radebeul, Stadt, Alter + Geschlecht
cite-note-1818. ↑ Bevölkerungsbilanz Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden – Basis Zensus 2011
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cite-note-2222. ↑ Regionalisierte Bevölkerungsprognose fĂŒr den Freistaat Sachsen bis 2025 (Karte)
cite-note-2323. ↑ Seit dem 31. Juli 2011 ist Radebeul die einwohnerstĂ€rkste Stadt im Landkreis Meißen. Stadtverwaltung Radebeul, 22. November 2011, abgerufen am 5. August 2015.
cite-note-stadtlexikon-2424. ↑ Frank Andert (Red.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch fĂŒr die LĂ¶ĂŸnitz. Hrsg.: Stadtarchiv Radebeul. 2., leicht geĂ€nderte Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9.
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cite-note-2727. ↑ Wahl des OberbĂŒrgermeisters – Große Kreisstadt Radebeul 2022
cite-note-2828. ↑ Erster BĂŒrgermeister: Dr. Jörg MĂŒller (parteilos).
cite-note-2929. ↑ Zweiter BĂŒrgermeister: Silvio Kockentiedt (CDU).
cite-note-3030. ↑ Radebeuler Amtsblatt 02/2022, S. 8.
cite-note-3131. ↑ Radebeuler Amtsblatt 01/2022
cite-note-3232. ↑ Radebeuler Amtsblatt 02/2023, S. 16–17.
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cite-note-354. Referat Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Wahlergebnisse - Wahlen - sachsen.de. Abgerufen am 13. MĂ€rz 2025.
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cite-note-3838. ↑ Satzung fĂŒr das Denkmalschutzgebiet „Historische Weinberglandschaft Radebeul“ (PDF; 101 kB), abgerufen am 14. Juni 2012
cite-note-3939. ↑ 149884 Radebeul (2005 RD9)
cite-note-dnndenkmalschutz-4040. ↑ Uwe Hofmann: Radebeul opfert Denkmalschutz – Alle Register fĂŒr die LandesbĂŒhnen (Memento vom 27. April 2014 im Internet Archive). In: Dresdner Neueste Nachrichten, 20. MĂ€rz 2012.
cite-note-gruenedenkmalschutz-4141. ↑ Zur Verlagerung der Unteren Denkmalbehörde von Radebeul nach Großenhain. BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Sachsen, 26. MĂ€rz 2012, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 4. MĂ€rz 2016; abgerufen am 5. August 2015 (Redebeitrag der Fraktion BĂŒrgerforum/GRÜNE im Stadtrat Radebeul am 21.3.2012).
cite-note-4242. ↑ Bert Wendsche: Abgabe der Aufgabe der unteren Denkmalschutzbehörde an das Landratsamt zum 1. Juli 2012. (PDF; 583 kB) Oder: Wer A sagt, muss auch B sagen! In: Radebeuler Amtsblatt. Große Kreisstadt Radebeul, April 2012, S. 9, abgerufen am 14. April 2012.
cite-note-4343. ↑ Radebeul fĂŒhrt Expertenrat fĂŒr Neubauten ein, SĂ€chsische Zeitung, 23. September 2021
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